Einer der Teilnehmer machte sein Protokoll für kurze Zeit im Internet zugänglich. Wichtigstes Signal für die Indies dürfte gewesen sein, dass Apple keine Sonderbehandlung für die fünf großen Konzerne gewährt. „Sie bekommen denselben Deal, den wir den Majors gegeben haben.“ Die Konditionen seien nicht verhandelbar, heißt es. Apple schließt Verträge nur mit den Labels, die wiederum Künstler, Autoren und Verleger ausbezahlen müssen. Die Lizenzen gelten drei Jahre lang. Alle drei Monate rechnet Apple mit den Labels die Verkäufe ab. Deshalb gibt es weder Vorschüsse für die Rechteinhaber noch Kosten für den Verkauf. Allerdings müssen sich die Labels um die Encodierung, Upload und um die Zulieferung der Metadaten (Interpretenname, Songtitel, VÖ-Datum, usw.) selbst kümmern. Zudem schreibt Apple die Verkaufspreise vor: Einzeltitel müssen 99 US-Cent kosten, Alben dürfen höchstens so viel kosten wie die Summe der Songs. Apple empfielt jedoch einen Preis von maximal 9,99 Dollar. Darüber hinaus gab der Computer-Hersteller in der zweieinhalbstündigen Kennenlernrunde weitere Statistiken zum bisherigen Verkaufserfolg bekannt: In den ersten sechs Wochen wurden 3,5 Millionen Files verkauft, 45 Prozent der Downloads erfolgten als Album-Verkäufe. Von den über 200.000 verfügbaren Titeln verkaufte Apple über 75 Prozent mehr als einmal. Zurzeit kaufen User im Schnitt 500.000 Songs pro Woche. Die dafür nötige Software iTunes 4 wurde zwischen sechs- und siebenmillionen Mal heruntergeladen. Bevor sie eine Datei kaufen, hören User durchschnittlich zehn 30-Sekünder-Teaser an. Wenn sie kaufen, dann zu 90 Prozent im One-Klick-Verfahren, das heißt, Apples Musikkunden akzeptieren den Bezahlmodus mit Kreditkarte. Mit ihren digitalen Käufen beeinflussen sie auch die US-Singles-Charts. Jobs bestätigte, dass Apple seine Verkaufsdaten an den Charts-Ermittler SoundScan liefert. Besonders exklusive und neue Titel locken die Kunden zu Apple. Diese Erkenntnis korrespondiert mit der Tatsache, dass sich bereits zehn Millionen iTunes-Kunden den „New Music“-Newsletter bestellt haben, der wöchentlich auf die Neuheiten im Store hinweist. Da all diese Informationen nur versehentlich durch einen Indie-Vertreter mit dem Interntet-Spitznamen CD Baby in Umlauf gerieten, ist derzeit kaum abzuschätzen, wieviele Labels sich dem iTunes Music Store anschließen werden. Auch über den Europastart des Downloadshops wurde nichts neues bekannt.
Indies bekommen bei Apple Major-Konditionen
Am 5. Juni lud Apple rund 150 Vertreter von Independent-Labels in die Firmenzentrale nach Cupertino, wo CEO Steve Jobs seinen iTunes Music Store den kleineren Repertoire-Anbietern schmackhaft machen wollte. Bei dem Treffen handelte es sich zwar um eine geschlossene Veranstaltung, dennoch gelangten Details an die Öffentlichkeit.



