Musik

„Im Kopf immer Neues planen“

Vor wenigen Tagen feierte ein Eckpfeiler der deutschen Musikgeschichte seinen 65. Geburtstag. Frank Zander, Urgestein des Schlagers, Entertainer und Multitalent im Gespräch über Kurt und die Welt.

“ Am 4. Februar wurden Sie 65 Jahre alt – unseren Glückwunsch. Riesensause oder feierte Frank Zander eher still?

FRANK ZANDER: Nach zwei Konzerten vor 12.000 Menschen beim Berliner 6 Tagerennen und jeder Nacht Party, habe ich meinen Geburtstag ganz ruhig mit meiner Familie gefeiert. Wir haben uns die MDR-Spezial-Sendung zum 65. Geburtstag angeschaut und viel Spaß gehabt.

“ Berenten wollen Sie sich anscheinend auch noch nicht lassen: Aktuell geben Sie in „Neues vom Wixxer“ den Luden. Gehört sich sowas in dem Alter? Ist doch eher ein Job für Jüngere!

Nee, das war genau mein Ding. Er nennt sich Flimmer-Fred und hat eine Stimme wie der alte Brando im Paten. Eine kurze Rolle aber es hat tierisch Freude gebracht in Prag mit diesen begnadeten Bühnenbauern zu drehen. Da habe ich Lust auf mehr bekommen, denn irgendwann will ich noch meine kurzen Gute-Nacht-Gruselgeschichten drehen…

“ Apropos Geburtstag: Wie läuft eigentlich ihr Projekt mit den individualisierten Geburtstags-Liedern? Wie viele Namen gibt’s denn schon auf CD?

Das Projekt Handgebrannt mit den ganz persönlichen CDs läuft und läuft und läuft – jeden Tag werden immer noch ca. 100 St. bestellt. 1997 haben wir damit angefangen, jetzt haben wir ohne Vertrieb ungefähr 350.000 Stück verkauft und ein Ende ist nicht in Sicht. Ich habe mittlerweile ca. 7000 Vornamen gesungen, aber ich staune, dass es doch immer wieder neue gibt.

“ Auf den Zug sind mittlerweile unter anderem auch Stefanie Hertel, Matthias Reim und Otto Waalkes aufgesprungen. War aber doch ursprünglich ihre Idee?

Jawoll… Und das ist sogar noch länger her. Bereits 1982 habe ich die Idee gehabt und 300 Namen auf Schallfolie rausgebracht – das lief auch gut, bis die Firma, die diese Folien herstellte, pleite ging. Erst 15 Jahre später konnten wir, dank der neuen Technik, CDs selber brennen. Da unsere Firma ja die CDs von Otto, Reim usw. auch vertreibt, ist es eine gute Produkterweiterung, die CD von mir bleibt aber unangefochten die Mutter aller persönlichen Geburtstags-CDs.

“ 1974 „Ich trink auf dein Wohl, Marie“, 1976 „Oh Susi“ – und heute, über 20 Jahre später, haben Sie immer noch eine beeindruckend große Fangemeinde. Was macht den Frank-Zander-Fan außer offensichtlicher Treue denn noch so aus?

Ein Zander-Fan ist verspielt, ewig jung im Kopf und gierig nach musikalischen Überraschungen. Das liefere ich nur zu gerne.

“ Vor über 30 Jahren hatten sie den ersten Nummer-1-Hit. Wie hat sich Deutschlands Musikszene seitdem verändert?

Naja, war man damals einmal in der ZDF-Hitparade, konnte man eigentlich fast zu 100 Prozent davon ausgehen, dass man auch eine Woche später in den Verkaufscharts war. Mit 20.000 Singles war man laut Plattenfirma schon fast gefloppt. Heute muss man einen riesigen Werbeaufwand in zig Medien betreiben, um ein wenig Aufmerksamkeit zu erhalten, und dann sind die Verkaufszahlen mit einigen kleinen Ausnahmen eher lächerlich. Ein wenig traurig macht mich die Tatsache, dass die Radiolandschaft sehr wenig Newcomer fördert und die privaten Sender sich einen Schei… um so was kümmern, sondern nur auf die Werbeindustrie schielen.

“ Die RTL-„Superstars“ und speziell Dieter Bohlen stehen gerade ziemlich unter Beschuss. Wie stehen Sie zu den Castings und dem „Deutschen Pop-Titan“ Bohlen?

Na, auf diese Frage habe ich ja gewartet. Die Idee eines Castings ist so alt wie die Musikindustrie selbst und funktioniert deshalb auch immer noch gut. Die Sendung ist schlau gemacht und steigert sich von Woche zu Woche. Zu Herrn Bohlen will ich hier lieber wenig sagen – nur so viel: Ich freue mich, dass er zugibt, dass alle seine Sprüche und seine medienwirksamen Auftritte inszeniert und Teil des Systems sind. Alles ohne Bauch – nur mit Kreditkarte!

“ Würden sie auch mal gerne über Wohl und Wehe von jungen Talenten entscheiden?

Nein, ich könnte den jungen Leuten das nicht medienwirksam in die Augen sagen. Habe ja schon Probleme, wenn ich ein zugeschicktes Demo-Angebot ablehnen muss – Ich versetze mich oft zu sehr in die Person und habe sofort Mitgefühl.

“ Ihre persönliche Bandbreite war von jeher groß: Vom quietschheiteren Fred Sonnenschein über Cool-Kurt bis hin zum Menschenfreund, der jährlich ein Weihnachtsessen für Obdachlose organisiert und dafür mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde. Was für ein Typ Mensch ist Frank Zander, wenn er nicht auf der Bühne steht?

Ein bisschen aus allen Typen. Es kommt auf die Tagesform an. Allerdings hält sich eine Richtung oft nur kurz und nach heiteren Dingen folgt das tiefschwarze – es ist genau wie bei meinen Auftritten. Ich bin eben ein typischer Wassermann – kann mit Geld nicht umgehen und habe immerzu neue Ideen im Kopf. Das Weihnachstfest für Obdachlose ist für alle Beteiligten sehr wichtig geworden und bereits jetzt organisieren wir für die 13. Weihnachtsfeier im Dezember 2007. Ich hoffe, dass es bald einige Nachahmer in ganz Deutschland gibt – ich gebe gerne Tipps…

“ Ändert sich der Typus mit den Jahren?

Hmm, weiss nicht genau, ich glaube man wird ein wenig erfahrener im Umgang mit seiner Umwelt, aber der Grundtyp bleibt!

“ Wie ist es jetzt mit 65 eigentlich der kreative Masterplan: mehr Richtung Film, zur Abwechslung mal wieder eine Moderation – oder doch dem Schlager treu?

Zum Teil läuft das Schiff Richtung neuer CD mit dem Titel „Reibeisen“ und einer kleinen Live-Tour mit eigener Band im Oktober 2007. Dazwischen kommen ja von alleine neue Projekte – ich lass mich einfach überraschen.

“ Letzte Frage, nachdem ihnen zumindest optisch kein Mensch die 65 abkauft: Was ist das Fitness-Geheimnis Frank Zanders? Der Verzicht auf Alkohol und Rauchwaren scheint’s ja nicht zu sein?

Jeden Morgen einen Apfel, täglich ne Stunde Radfahr’n und ganz wichtig: Nie fertig werden, also im Kopf immer Neues planen und nicht zurücklehnen und innerlich sagen – OK‘, ich habe fertig – das ist, glaube ich, das Ende.