Musik

Im Gespräch: Steffen Kampeter, MdB, CDU/CSU

Als Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss und zuständiger Berichterstatter für Kultur und Medien forderte Steffen Kampeter MdB schon früh ein Musikexportbüro. Im Gespräch mit musikwoche.de präzisiert er seine Vorstellungen.

musikwoche.de: Halten Sie den Zeitplan der Studie zur Einführung eines Muskkexportbüros – Start im vierten Quartal 2003 oder Anfang 2004 – für realistisch?

Steffen Kampeter: Wenn die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger in der Musikwirtschaft das endlich entschlossen und gemeinsam angehen, dann kann es noch im Jahr 2003 losgehen. Staatsminister Nida-Rümelins freundliche Bewertung meines Vorschlages zu einem Musikexportbüro hat auch auf Seiten der Musikwirtschaft eine hohe Erwartungshaltung in Hinblick auf eine Unterstützung durch die rot-grüne Bundesregierung erzeugt. Die Nachfolgerin, Frau Staatsminister Weiss, sollte die Erwartungen, die ihr Vorgänger geweckt hat, nun erfüllen.

mw: Wie sollte der Beitrag der Musikwirtschaft zur Finanzierung aussehen? Was erwarten Sie vom Bundeskanzleramt beziehungsweise von Staatsministerin Frau Weiss?

Kampeter: Es kann keinen Zweifel daran geben, dass der Hauptkostenträger eines Musikexportbüros die Musikwirtschaft selbst sein muss. Dabei gibt es aus der Filmförderung bereits erfolgreiche Modelle, wie entsprechende Finanzbeiträge solidarisch umgelegt werden. Weiterhin hat die GEMA durch ihren Vorsitzenden, Herrn Professor Prof. Dr. Reinhold Kreile, Unterstützung signalisiert, die sich nicht auf das Ideelle beschränken wird. Dem Staat obliegt es, eine Anschubfinanzierung zu geben. Daher hat die CDU/CSU-Bundestagsfraktion für den Etat 2003 beantragt, diese in einer Größenordnung von 200.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Trotz eindrücklicher Ermahnungen war Rot-Grün nicht bereit, diesem Vorschlag zu folgen.

mw: Wie sollte eine politische Task-Force zur Umsetzung zusammengesetzt sein?

Kampeter: Auch wenn eine Taskforce für die Musikwirtschaft in England die Impulse für die Diskussion gebracht hat, so lässt sich das Modell nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen. Der zentrale Unterschied zwischen England und Deutschland ist die umfassende Akzeptanz der Musikwirtschaft sowohl als Träger des Bruttoinlandsproduktes als auch als unverzichtbarer kreativer Bestandteil der britischen Gesellschaft. Deshalb setzt die Gründung einer Taskforce in Deutschland einen umfassenden Bewusstseinswandel voraus, der bei den verschiedenen staatlichen Entscheidungsträgern in Bund, Land und Gemeinden vorausgehen muss.

mw: Musikexportbüro, Radioquote, verminderter Mehrwertsteuersatz, Urheberrechtsnovelle/Kopierschutz – an allen Ecken und Enden ist der Einsatz der Politik zur Rettung der Musikwirtschaft gefordert. Sehen Sie bei diesen Themenkomplexen unterschiedliche Prioritäten?

Kampeter: Das lokale Produkt zu promoten, ist Hauptaufgabe der Musikwirtschaft und nicht der Politik. Deswegen können die angesprochenen Themen wie Exportbüro, Quote und Mehrwertsteuersatz lediglich die Bemühungen der großen und kleinen Plattenlabels und Kreativen in dem Land unterstützen. Hauptthema der Politik bleibt der massenhafte Diebstahl an geistigem Eigentum, insbesondere durch die neuen digitalen Übertragungstechniken und durch die Möglichkeit von Klonen von CDs. Dabei geht es vorrangig nicht so sehr um Umsatzzahlen einzelner Unternehmen, sondern vielmehr darum, dass die kreative Musikwirtschaft in ihrer Substanz bedroht wird. Aufgrund dieser Entwicklung hat die Anzahl der gelisteten Künstlerinnen und Künstler bereits abgenommen. Dies machen sich die „hemdsärmeligen Befürworter“ eines angeblichen Rechts auf Privatkopie wohl offensichtlich nicht deutlich.

mw: Musikexportbüro auf der einen Seite; Rockbüros, Popakademien und ähnliche Einrichtungen auf der anderen, auf Landesebene – sehen Sie hierin eine sinnvolle Dualität, um der Musikwirtschaft auf lange Sicht Stabilität zu verschaffen?

Kampeter: Die von der Verfassung gebotene Aufgabenteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden wird auch durch die Krise der Musikwirtschaft nicht aufgehoben werden können. Ausbildungsfragen sind klare Länderhoheiten. Meine größte Sorge dabei ist die desolate Situation des Musikunterrichtes in Deutschland. Wer kein Instrument mehr beherrscht, wird auch zwangsläufig nicht mehr kreativ im musikalischen Bereich sein. Deswegen finde ich es erfreulich, wenn Länder wie Baden-Württemberg mit der Mannheimer Akademie einen Vorstoß machen, der im föderalen Wettbewerb auch von anderen Bundesländern durchaus aufgegriffen werden kann. Die kreative Wertschöpfungskette muss an ihrem Anfang gestärkt werden, damit sie über alle ihre verschiedenen Ebenen Blüten treibt.

mw: Die Franzosen verfügen über einen Jahresetat von 2,5 Millionen Euro. Halten Sie eine solche Summe für angemessen?

Kampeter: Das Budget des Musikexportbüros bestimmt sich aus seiner Aufgabenvielfalt. Daher müssen die Finanziers gemeinsam den Grad der Aufgaben definieren, den sie selbst auch bereit sind zu finanzieren.

mw: Sollte nicht auch das Goethe-Institut bei der Umsetzung des Büros eine Rolle spielen?

Kampeter: Das Goethe-Institut ist eine nicht kommerzielle Einrichtung der Kulturförderung. Das Musikexportbüro soll sich im Bereich der Außenwirtschaftsförderung angliedern und sich gegebenenfalls sogar selbst tragen. Daher kann das Goethe-Institut zweifelsohne Partner des Musikexportbüros sein, zum Beispiel als Auftrittsmöglichkeit für deutsche Bands im Ausland. Das Goethe-Institut Inter Nationes hat aber von seiner Aufgabenstellung her eine völlig andere Stoßrichtung. Eine Kooperation ist das Maximale der Gefühle.

mw: Welche deutschen Künstler oder Produktionen halten Sie für besonders exportträchtig?

Kampeter: Der Auslandsmarkt und nicht die deutsche Politik entscheidet, welche Künstler oder Produktionen musikalisch erfolgreich sind. Allerdings muss es gelingen, angesichts der auch enormen musikalischen Vielfalt spezifisch deutsche Charakteristika in den Bemühungen des Exportbüros herauszustellen. Bei den Franzosen sind es zum einen die Sprache und zum anderen die vielfältigen kolonialen Bindungen Frankreichs. Das kann auf Deutschland nicht in dem Maße übertragen werden. Und die Politik ist für die Strategie des Musikexportbüros lediglich unterstützender Ansprechpartner.

mw: Spielen Sie selbst ein Instrument?

Kampeter: Ich interpretiere meine Unterstützung für die Musikwirtschaft als Unterstützung für das kreative Potenzial Deutschlands und nicht als musikmachender Experte. Daher schäme ich mich nicht zu bekennen, dass es mir leider nicht vergönnt war, ein Instrument zu lernen.

mw: Was ist Ihre Lieblingsplatte?

Kampeter: Wenn meine Lieblingsplatte die Platte ist, die ich am meisten gehört habe, so ist es wahrscheinlich „Exile On Main Street“ von den Rolling Stones, gefolgt von „Captured Live!“ von Johnny Winter.