Musik

Im Gespräch: Piet Blank & Jaspa Jones, DJs und Produzenten Gang Go Music

„Über den Clubstatus hinausgehen“

musikwoche.de: Was ist das Besondere an Eurem neuen Album? Piet Blank: Unser neues Studio hat uns stark inspiriert, aber wir haben uns nicht mit einer besonderen Zielsetzung an die Aufnahmen gemacht. „Substance“ ist unser viertes Album – wieder ohne eine einzige Coverversion – bei dem wir als Songwriter erneut ein Stück weiter gekommen sind. Auch wenn sich der Begriff „Songwriter“ bei elektronischer Musik komisch anhört. Wir haben aber die stilistische Spannweite bei klassischen Pop-Alben immer bewundert und nun umgesetzt. Wir wollen CDs produzieren, die spannend sind.

Jaspa Jones: Wir haben den Anspruch, mit Blank & Jones über den Clubstatus hinauszugehen. Die Leute sollen sich die CD zuhause anhören können und merken, welche Variationen darin stecken.

Blank: In Frankreich gibt es Daft Punk, die als local hero französische Musik machen, England hat Underworld und die Chemical Brothers. Wir legen großen Wert darauf, dass uns die Öffentlichkeit nicht nur als DJs, sondern auch als Recording Artists wahrnimmt. Wir sehen uns in der Tradition dieser Bands, die auch mit ihren Alben in die Top Ten gehen dürfen, ohne dass alle rumrennen und von Sell-Out faseln.

mw: Der Dance-Longplayer hat nicht den besten Ruf. Warum? Jones: Am schlechten Ruf sind viele Dance-Acts selbst schuld. Wenn bei diesen Alben einfach nur eine Bassdrum durchläuft und die Hörer ab und zu einen Track aus dem Club erkennen, wird das Album einfach nicht akzeptiert, und beim nächsten Mal kaufen die Fans lieber eine Compilation. Bei manchen Alben werden zu viele Stücke veröffentlicht, die besser in der Schublade geblieben wären. Wir hingegen haben den Anspruch, dass jeder Track eine potenzielle Single sein kann.

Blank: Wir können diesem hohen Anspruch gerecht werden, weil wir uns vor fünf Jahren entschieden haben, uns auf Blank & Jones zu konzentrieren und keine weiteren Projekte nebenbei zu betreiben.

mw: Ist es schwierig, in die großen Musikmagazine zu kommen? Jones: Auf jeden Fall. Die Deutschen haben eh ein Problem damit, wenn Landsmänner Erfolg haben. Wir spüren schon eine gewisse Ablehnung, aber es stört uns nicht. Wir ziehen unser Ding durch.

Blank: In diesen Magazinen haben wir noch nie stattgefunden. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so, weil die uns aus Prinzip verreißen würden. So hat ein Blatt unseren Remix der aktuellen Single von den Pet Shop Boys bereits als „Geschmacksverirrung“ bezeichnet, als wir noch im Studio saßen und daran arbeiteten.

mw: Schlägt mit dem Erfolg von Bands wie Limp Bizkit das Trend-Pendel wieder in Richtung Gitarrenmusik? Jones: Ich sehe keine Krise der Dance-Musik, weil es keine Szene gibt, die so innovativ ist wie Dance.

Blank: Und wir geben offen zu, dass wir die Musik etwa von Limp Bizkit sehr gern hören. Da passiert eine ganze Menge Spannendes wie beim Album von Linkin Park. Dort sind viele Techno-Einflüsse zu erkennen. Eine Szene inspiriert die andere.

mw: Welchen Stellenwert hat Eure Firma Gang Go Music für Euch? Blank: Auch wenn das Wort überstrapaziert ist: Gang Go Music ist unsere Familie. Gerade am Anfang unserer Karriere, als wir weg von den Singles hin zu Alben wollten, hat Gang Go Music uns mit der Erfahrung von Gottfried Engels und Louis Spillmann großen Rückhalt gegeben. Die Stärke des Labels liegt darin, dass wir uns auf ein Produkt – wie jetzt auf unser Album – oder zuletzt auf den Künstleraufbau von Fragma konzentrieren können.

mw: Was könnt Ihr als Künstler gegen die Marktentwicklung tun? Blank: Die CD muss für den Käufer einfach einen Mehrwert besitzen. Deswegen bieten wir ein Handyhologramm und eine zusätzliche Bonus-CD, die das Produkt für den Käufer interessant und lohnend machen soll.