“Wenn du erst bis zu einer halben Million Euro investieren musst, um in die Charts zu kommen, ist das ein Risiko, das wir nicht eingehen wollen“, betont der Turbo-Beat-Chef im Gespräch mit musikwoche.de. Dies sei für sein Independent-Label auch gar nicht erforderlich. „Da verdient man oft mehr an einer Platte, die 10.000- oder 15.000 Exemplare verkauft, ohne in den Top 100 zu stehen“. Und dies ist laut Maass durchaus häufiger der Fall, da „die Charts die wahren Marktverhältnisse nicht widerspiegeln“. Da bisher aber die Charts von Handel, Funk und Fernsehen als das einzige Messinstrument für Erfolg angesehen würden, hätten es Newcomer hier immer schwerer, erklärt der Labelchef. Im Hörfunk fänden neue, unbekannte Künstler bei vielen Sendern gar nicht oder meist nur in wenigen Spezialsendungen Gehör. Im Fernsehen gebe es ebenfalls kaum noch Formate für noch nicht etablierte Musiker. Und der Handel erweitere lieber seine DVD-Abteilungen, statt Newcomer herauszustellen.
„Dafür gewinnt der Printbereich wieder an Bedeutung. Hier gibt es noch die Chance, neue Nischenthemen unterzubringen – etwa in Magazinen wie,Zillo“,,Hammer“ oder,Sonic Seducer““, so Maass. Auch das Internet sei ein sehr hilfreiches Mittel für die Newcomerförderung – sei es mit eigenen Künstlerseiten, Verlinkungen oder mit Präsentationen von Internetmagazinen. Live-Konzerte und Tourneen sowie Compilations mit Raum für Newcomertitel wie die Turbo-Beat-Reihe „Viva Rock“ in Kooperation mit dem Musiksender sieht Maass als weitere wichtige Marketing-Tools für junge Künstler an. Im Hörfunk setzt er auf Spezialsendungen engagierter Sender. So böten Programme wie „Soundgarden“ auf Radio Fritz, „Best Of Rock“ auf StarFM oder „Heimatkult“ auf 1 Live ein Forum für Turbo Beats aktuellen Schwerpunkt „Sacrifight“ – das Solo-Debüt von Blind-Passengers-Sänger Nik Page.
Um aufstrebende Musiker aus Deutschland flächendeckender im Hörfunk unterzubringen, sieht Maass eine Quotenregelung grundsätzlich für überlegenswert an. Er fürchtet aber, dass so eine Quote schwerlich bundesweit durchzusetzen sei, da hierzu ein Konsens aller Bundesländer nötig wäre. Zudem gäbe es bestimmt „Kniffe und Tricks“, um eine solche Quote zu umgehen. Sinnvoller fände er eine Öffnung des Radiomarkts, die kleinen Stationen im Stile der amerikanischen College-Radios Frequenzen einräumen würde.
Bei Turbo Beat räume er Newcomern, von denen er überzeugt sei, bis zu vier oder fünf Jahren Zeit ein, um den Durchbruch zu schaffen. Dabei gelten laut Maass aber scharfe Kriterien an die verpflichteten Talente: „Wir prüfen im Vorfeld eines Signings genau, ob der Künstler bereit ist, intensiv an sich zu arbeiten, etwa auch seine Live-Performance, die PR-Arbeit und den Umgang mit den Medien entsprechend zu trainieren“. Neben Nik Page hofft Maass auch auf kommende Alben der Berliner Crossover-Band Bazzooka sowie auf das Solo-Projekt der Sängerin von X-perience, Angelzoom. „Künstler wie Page und Bazzooka werden demnächst auf Kerosin stattfinden, einem neuen Label von Turbo Beat für Alternative Rock und Crossover“, ergänzt Maass.



