musikwoche.de: Welche Firmen stecken hinter der Loveparade? Fabian Lenz: Die Firma Planetcom organisiert und produziert als Veranstaltungsagentur die Loveparade und regelt die behördliche Seite mit der Stadt Berlin. Dahingegen sorgt die 1996 gegründete Loveparade Berlin GmbH als Inhaberin der Marke Loveparade für deren Auswertung und bringt so das Budget für Planetcom auf. Dazu gehört die Compilation, Merchandising und die Vergabe der TV-Lizenzen.
mw: Gibt es Verbindungen zwischen den beiden Firmen? Lenz: Ralf Regitz fungiert als Geschäftsführer von Planetcom, ist aber auch gleichzeitig einer von fünf Gesellschaftern der Loveparade Berlin GmbH, deren Geschäftsführer ich seit dem 1. Januar 2002 bin.
mw: Underground- wie Mainstream-Medien kritisieren immer einen angeblichen Ausverkauf der Parade. Wie beurteilen Sie die Situation? Lenz: Die Loveparade ist für sehr viele Unternehmen ein Riesengeschäft – allerdings nicht für die Loveparade Berlin GmbH. Es ist für uns schwer zu verstehen, dass etwa der Einzelhandel oder die Fastfood-Ketten während der Parade gewaltige Umsätze erzielen, während uns vorgehalten wird, wir dürften kein Geld verdienen. Ein auswärtiger Besucher lässt am Loveparade-Wochenende durchschnittlich 125 Euro in Berlin – die Loveparade Berlin GmbH profitiert davon aber kaum. Die Kritik der Medien lässt sich auf die Historie der Loveparade zurückführen.
Viele denken, dass eine Demonstration, die wir lange Zeit waren, nicht im Zusammenhang mit irgendwelchen Firmen stehen darf. Allerdings hat die Loveparade nur zu dieser Zeit Gewinne erwirtschaften können. Im vergangenen Jahr – dem ersten Jahr, in dem wir nicht Demonstration waren – machte die Loveparade tatsächlich ein Minus von 420.000 Euro. Damit sind nahezu alle Rücklagen, die wir seit 1996 aufgebaut hatten, verbraucht.
mw: Wie sieht die aktuelle Situation aus? Lenz: Wir stehen vor einer Kostenstruktur, bei der noch längst nicht geklärt ist, ob die Loveparade als Veranstaltung langfristig finanzierbar ist. Denn wir als Organisatoren haben erst einmal einen wahnsinnigen Kostenaufwand: Wir können keine Tickets verkaufen und stehen deshalb unter einem enormen Vermarktungsdruck, um die Zusatzkosten, die uns seit zwei Jahren entstehen, tragen zu können.
mw: Welche Partner sind dieses Jahr mit an Bord? Lenz: Wir werden unterstützt von Red Bull, Berliner Pilsner und New Yorker, aber das reicht wahrscheinlich nicht aus, um die erheblich gestiegenen Kosten zu tragen.
mw: Wie etabliert ist die Loveparade inzwischen? Lenz: Die Loveparade erlebte ein Auf und Ab bei ihrem Etablierungsprozess. Wir sind immer noch nicht in der Stadt angekommen – also noch kein fester Bestandteil des Kulturbetriebes. Deswegen eröffnet die Internationalisierung – im Ausland wie auch in Berlin selbst – neue Perspektiven. Zum Beispiel will Tresor-Chef Dimitri Hegemann mit der Messe „Musik und Maschine“ im Rahmen der Loveparade die Independent-Szene der kleinen Labels vernetzen. Und auch unsere erstmalig dieses Jahr herausgegebene Programmzeitschrift soll die inhaltlichen Aspekte der Parade stützen. Wenn sie überleben will, muss sich die Parade noch stärker zu einer Musikplattform entwickeln und darf nicht der Karneval sein, bei dem hinterher keiner mehr weiß, was das überhaupt für Wagen waren.



