musikwoche.de: Wie entwickeln sich die Besucherzahlen im Volksmusik-Bereich? Dieter Semmelmann: Es ist definitiv so, dass die Besucherzahlen eher konstant sind, weil wir ein treues Publikum haben. Wir müssen aber feststellen, dass aufgrund der Vielzahl der Shows, die im Moment auf dem Markt angeboten werden, sich nur erstklassige und gutbesetzte Veranstaltungen auch sehr gut verkaufen.
mw: Wie treu ist das Volksmusik-Publikum? Semmelmann: Unsere Zielgruppe bekommt nur wenige Alternativen am Veranstaltungsmarkt geboten und sieht den Besuch solcher Veranstaltungen als wichtigen und regelmäßigen Bestandteil ihrer Freizeitaktivitäten. Wir versuchen, die Treue unserer Besucher durch gute Qualität nicht aufs Spiel zu setzen. Unser Team hat die Aufgaben gut verteilt. Semmel Concerts ist der Veranstalter, die Firma Künstlermedia mit Werner Kirsamer übernimmt den künstlerischen Part und die Programmbesetzung. Wir arbeiten nur mit Live-Orchester und nicht wie einige Mitbewerber mit Halb-Playback. Wir sind Verfechter des Live-Gedankens.
mw: Künstler wie Heino oder Marianne und Michael werden nicht mehr ewig auf Tour sein. Was kommt danach? Semmelmann: Wir müssen neue Interpreten einführen, wie vor einigen Jahren zum Beispiel die Geschwister Hoffmann, die mittlerweile zu den absoluten Top-Acts zählen. Und wir müssen uns in nächster Zeit verstärkt um den Nachwuchs Gedanken machen. Die Innovationen in diesem Markt sind leider sehr überschaubar, die Impulse aus den TV-Sendungen fehlen: So ist es etwa in den vergangenen Jahren nicht gelungen, aus dem Grand Prix der Volksmusik nennenswerte Topstars zu entwickeln mit der Ausnahme von Jantje Smit und Oswald Sattler. Vielleicht sollten wir ein Konzept wie „Popstars“ im Volksmusikbereich starten. Wir wären dazu gern bereit.
mw: Haben Sie als Veranstalter die Möglichkeit, auf die Konzeption von TV-Shows Einfluss zu nehmen? Semmelmann: Wir als Veranstalter haben hier kaum Einfluss. Man sollte sicherlich einmal ein Roundtable-Gespräch veranstalten, bei dem alle Branchenteilnehmer über zukünftige Möglichkeiten und Kooperationen diskutieren könnten.
mw: Was halten Sie von Shows mit Bewirtung? Locken neue Einnahmequellen? Semmelmann: Unsere Shows sind musikalisch auf hohem Niveau, und wir möchten die künstlerische Leistung in den Vordergrund stellen. Alles andere ist eher etwas für das Bierzelt und passt nicht in unsere Konzert-Konzeption.
mw: Welchen Anteil am Umsatz haben bei Semmel Concerts Volksmusik-Konzerte? Semmelmann: Sie machen knapp 20 Prozent aus.
mw: Wollen Sie dieses Segment weiter ausbauen? Semmelmann: Ich denke, dass wir am oberen Limit angelangt sind. Wir wollen diesen Anteil halten und mit qualitativ guten Produktionen das Niveau eher anheben. Mit uns gibt es keine Inflation der Formate.


