musikwoche.de: Stimmt die Annahme, dass einige von Arte Nova bekannte Künstler zu OehmsClassics wechselten? Wer und warum?
Dieter Oehms: Arte Nova war ja ein Joint Venture zwischen BMG und mir; ich hatte einen Anteil von 25 Prozent an der gemeinsamen Firma. Nach der Trennung im letzten Jahr ging deshalb ein Teil des Katalogs, beziehungsweise eine Anzahl von Künstlern mit ihren Einspielungen, in meine Verfügung über, darunter die Pianisten Andreas Bach, Michael Endres, Alfredo Perl und Carmen Piazzini, die Gitarristen Eduardo Fernandez und Johannes Tonio Kreusch, die Geiger Benjamin Schmidt und Latica Honda-Rosenberg, Stanislaw Skrowaczewski mit seinem preisgekrönten Bruckner-Zyklus, der den Cannes Classical Award erhielt, das Mozarteum Orchester Salzburg und der Zyklus der Einspielungen von der Operettenbühne Mörbisch.
mw: Können Sie mit OehmsClassics jetzt schalten und walten, wie Sie möchten?
Oehms: OehmsClassics hat nur einen Gesellschafter, und der heißt Dieter Oehms. Die Erfahrungen der Vergangenheit verbieten mir die künftige Mitsprache von wem auch immer.
mw: Wie sieht Ihr Business-Plan für dieses und die nächsten Jahre aus?
Oehms: Außer dem Startpaket von 70 Titeln, in denen bereits pro Monat zwei Neuproduktionen enthalten sind, sieht der VÖ-Plan vorerst zwei bis drei Neuproduktionen pro Monat vor, also zirka 25 Neuproduktionen im Jahr.
mw: Wie viel Umsatz erwarten Sie?
Oehms: In 2003 erwarte ich mindestens 250.000 Euro Umsatz, was allerdings auch davon abhängt, in welcher Geschwindigkeit neue Vertriebspartner gewonnen werden. Die Planung der Folgejahre wird sich nach den erzielten Ergebnissen richten und wird kaufmännisch sorgfältig und gewissenhaft erstellt.
mw: Wie sieht die Preisstruktur aus?
Oehms: Die Endverbraucherpreise werden bei 7,99 Euro liegen, also deutlich unter zehn Euro, und damit ein attraktives Preis-/Leistungsverhältnis liefern.
mw: Bitte umschreiben Sie in einem Satz das Konzept des neuen Labels.
Oehms: Junge Künstler, internationale Preisträger und herausragende Persönlichkeiten des Musiklebens, die Förderung und Promotion verdienen, werden einer breiten Öffentlichkeit zu günstigen Preisen zugänglich gemacht.
mw: Fiel es Ihnen schwer, Arte Nova und damit BMG nach siebenjähriger Aufbauzeit zu verlassen?
Oehms: Einziger rückblickender Kommentar: Man muss Kompromisse schließen, wenn es darum geht, die Substanz zu erhalten, aber man darf keine schließen, wenn es an die Substanz geht.
mw: Und wie blicken Sie nach vorn?
Oehms: Wir sind guter Dinge, auch wenn der Tonträgermarkt rückläufig ist. Neue spannende und künstlerisch hochwertige Produktionen werden auch in Zukunft auf CDs ihre Käufer finden.


