musikwoche.de: Nach welchen Kriterien stellt Rhino seine Anthologien und Reissues zusammen? Wann ist eine Band interessant?
David McLees: Da gibt es mehrere Ansätze. Der erste ist, dass bei Rhino richtige Musikfans arbeiten, vor allem im A&R-Department. Und als Fan spürt man, wenn auf dem Markt etwas fehlt. Au§erdem ist es wichtig, zu hören, was die Rock- und Oldie-Sender spielen. Bei Chicago war es eine editierte Fassung von „The Way You Make Me Smile“, die es so nirgends zu kaufen gab. Also haben wir sie erstellt und nicht nur den alten Song veröffentlicht.
mw: Wobei der Kaufanreiz in Bonus-Tracks und in der Verpackung besteht, oder?
McLees: So ist es zumindest bei unseren Elvis-Costello-CDs, die mit einer kompletten Disc voller Bonus-Material erschienen. Und das für denselben Preis wie die vorangegangenen Ausgaben von Sony und Ryko. Schließlich musst du jemandem einen verdammt guten Grund geben, damit er sich eine CD, die er womöglich schon hat, noch einmal kauft. Das geht nur über Qualität. Und da hat die Technik in unserem Sinne gearbeitet. Eben, weil die ersten CDs nichts anderes waren, als konvertierte Fassungen der existierenden EQ-LP-Master. Das hat uns die Gelegenheit gegeben, sie zu remastern und die Original-Bänder zu verwenden.
mw: Also besteht der Verdienst von Rhino für die Musikindustrie darin, den Wert eines Backkatalogs zu erkennen und zu vermarkten?
McLees: Das ist etwas, wofür den Majors lange die Zeit oder Energie fehlte. Deswegen hatte ich immer das Gefühl, als würde ihr Backkatalog nur dazu da sein, um von mir bearbeitet zu werden. Denn alles, was sie machen, ist ja immerzu neue Künstler unter Vertrag zu nehmen und sie auf dem Markt zu etablieren, was gefährlich und teuer ist. Backkatalog ist da viel sicherer. Nur fehlte ihnen das Know-how, und das hatten wir. Aber Universal und Sony haben über die Jahre viel wettgemacht. Und so gerne ich zum Beispiel etwas mit Donovan machen würde, so weiß ich doch, dass Sony das nie zulassen würde. Also hoffe ich, dass sie es vernünftig tun – mit Bonus-Tracks, Liner-Notes und als remasterte Edition. Und um ehrlich zu sein, sind sie darin inzwischen ziemlich gut. Sie haben viel von uns gelernt.
mw: Wie exzentrisch muss man sein, um für Rhino zu arbeiten?
McLees: Hier gibt es schon einige Verrückte, aber das Wichtigste ist, leidenschaftlich zu sein. Man muss wissen, was eine Musik einzigartig macht und wie man sie kreativ in Szene setzt. Und man muss auf die Details achten, eben auf die Qualität.
mw: Was kommt als nächstes? Woran arbeiten Sie gerade?
McLees: An einem Boxset von Yes. Und ich muss sagen, dass ich ziemlich begeistert bin, denn die Tapes wurden noch nie fürs Remastering verwendet. Und dann kommen Reissues von Fleetwood Mac – „Rumours“, „Tusk“ und das legendäre Debüt-Album. Natürlich mit viel Bonus-Material.


