Musik

Im Gespräch: Bascha Mika („die tageszeitung“), Alexander Marguier („FAS“)

„Wir jubeln niemanden hoch“

Der Junge mit der Gitarre geht mit publizistischer Unterstützung der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ins Rennen; für die Sängerin Senaït macht sich die „taz“ stark. Im Gespräch mit musikwoche.de erläutern „taz“-Chefredakteurin Bascha Mika und Alexander Marquier, Ressortleiter Gesellschaft „FAS“, ihr Engagement.

musikwoche.de: Wie haben Ihre Leser darauf reagiert, dass sich ihre Zeitung als „Talentpatin“ profiliert?

Alexander Marguier: Erstaunlicherweise gar nicht. Aber in meinem gesamten Umfeld sind die Reaktionen zustimmend, die Leute finden das originell.

Bascha Mika: Viele unserer LeserInnen waren richtig begeistert: Mehr als 800 Vorschläge sind für den „taz“-Senaït-Textwettbewerb eingegangen. Obendrein merken wir an den Leserbriefen, an Anrufen oder privaten Kontakten, wie sehr das Umfeld der „taz“ – und das Haus selber – mitfiebert.

mw: Gesetzt den Fall, Ihr Künstler gewinnt den Vorentscheid – wie werden Sie ihn publizistisch begleiten?

Mika: Wie auch im Hinblick auf die Vorentscheidung mit Berichten, mit Reportagen und Interviews. Und mit Senaïts Tagebuch, das jede Woche im „taz.mag“ zu lesen ist. Darüber hinaus planen wir, unabhängig vom möglichen Sieg, Features und Reportagen aus Riga und Hintergrundberichte zur Unterhaltungsindustrie.

Marguier: Sehr dezent, also wie bisher. Wir jubeln niemanden hoch, auch dann nicht, wenn er für uns an einem Musikwettbewerb teilnimmt.

mw: Und wenn Ihr Künstler nicht gewinnt: Wird es dann trotzdem noch gemeinsame Aktionen geben?

Marguier: Nein, DJMDG ist ja nicht unser ständiger „Hauskünstler“. Die ganze Sache war und ist ein musikalisches Experiment. Wir werden auch kein zweites Mal daran teilnehmen. Die Sache würde sonst ihren Reiz verlieren. Nur eine Aktion ist geplant, freilich für einen eher ungünstigen Fall: Wenn die „taz“ mit Senaït besser abschneidet als DJMDG, habe ich den Kollegen einen Abend Freibier versprochen. Als Stargäste wären dabei: DJMDG, Senaït, Jörg Pilawa (wirklich wahr!) und Jürgen Meier-Beer.

Mika: Die Partnerschaft zwischen Senaït und der „taz“ ist inzwischen so freundschaftlich, dass weitere Projekte durchaus vorstellbar sind.

mw: Worin liegt für Sie der Nutzen Ihrer Partnerschaft/Patenschaft?

Marguier: Das Angebot, wir sollten einen eigenen Künstler vorschlagen, kam ja vom NDR selbst, nachdem ich den Grand Prix kritisiert hatte, weil ich fand, dass die teilnehmenden Künstler dem für diese Veranstaltung notwendigen Lokalkolorit nicht gerecht werden. Ich erinnere nur an die Merengue tanzenden Hupfdohlen aus einer baltischen Republik. Es ging mir tatsächlich um das musikalische Experiment: Hat ein Nachwuchskünstler wie DJMDG mit einem auf deutsch gesungenen Titel Chancen beim Grand-Prix-Vorentscheid? Das wird sich nun zeigen.

Mika: Die „taz“ steht nicht für Mainstream-Unterhaltung. Trotzdem hat sie neben ihrer Berichterstattung über harte Politik immer Wert gelegt auf intelligente Unterhaltung. Das geht auch bei Mainstream-Themen – man muss sie nur durch die „taz“-Brille betrachten. Die mediale Aufmerksamkeit, die wir durch unsere Teilnahme beim Grand Prix erreicht haben, gefällt uns natürlich. Wir sind eine offene Zeitung und immer für eine Überraschung gut.