Musik

Im Gepräch: Dominique Leguern, Divisional Director Music Reed Midem

Dominique Leguern sieht sich bei der zweiten Midem unter ihrer Leitung mit zahlreichen Problemen der Branche konfrontiert. musikwoche.de erkundigte sich nach den Auswirkungen durch die schwierige Marktsituation nach dem Ende der Interneteuphorie.

musikwoche.de: Bleiben der Midem 2002 Aussteller, zum Beispiel aus Lateinamerika oder Asien, aufgrund der schlechten Marktlage fern?

Dominique Leguern: Diese Märkte sind breit präsent, vor allem dank Gemeinschaftsständen wie zum Beispiel dem von Trama Promocies Artisticas aus Brasilien oder dem japanischen Musikverlegerverband. Weiterhin ist auch Singapur vertreten, Korea durch eine nationale Kultur- und Medienagentur sowie Taiwan über ein Informationsbüro der dortigen Regierung. In Asien wächst der Marktanteil nationaler Produktionen konstant, vor allem in Japan. Und viele Firmen aus der Region kommen zur Midem, um hier Titel einzukaufen, die sie dann für die jeweiligen nationalen Märkte adaptieren.

mw: Wie gehen Sie auf deren Bedürfnisse ein?

Leguern: Wir organisieren in Zusammenarbeit mit dem japanischen Musikverlegerverband und dem Branchenverband der japanischen Tonträgerindustrie eine Konferenz unter dem Titel „Erfolgreich im Land der aufgehenden Sonne – der Schlüssel zu einem Markt, dessen Anteil nationaler Produktionen bei 78 Prozent liegt“. Und dann feiern wir im Rahmen der Messe das 60-jährige Jubiläum der Musik- industrie Japans.

mw: Aber Japan kann doch nicht die Einbußen in anderen Bereichen kompensieren, oder?

Leguern: Nein, aber seit rund fünf Jahren schwappt außerdem die Latin-Welle um die ganze Welt, zunächst dank Künstlern aus dem Mainstream wie Ricky Martin und Enrique Iglesias, zuletzt dann wegen kubanischer Künstler um den Buena Vista Social Club. Die Midem hat solche Entwicklungen in der Musik immer gefördert und sich damit als aufgeschlossen gegenüber den Interessen der Branchenprofis gezeigt, die auf diese Entwicklungen ansprangen.

mw: Gab es Absagen von Ausstellern nach den Anschlägen vom 11. September?

Leguerne: Tatsächlich ist die Teilnahme von Ausstellern aus den USA in diesem Jahr vor dem Hintergrund dieser Ereignisse leicht rückläufig. Dennoch haben sich bislang 200 amerikanische Unternehmen für die Messe angemeldet, darunter 70 Aussteller. Und wir sind sicher, dass die amerikanischen Branchenprofis – wie alle anderen Teilnehmer auch – auf der Midem mehr denn je hervorragende Geschäfte in einem optimalen Arbeitsumfeld tätigen können.

mw: Was wird aus der MidemNet, wo doch zahlreiche Internet-Startups der letzten Jahre gar nicht mehr existieren?

Leguerne: Auch wenn es manche Onlinefirmen nicht mehr gibt, ist das Internet doch ein Medium, um das die Musikindustrie bei der Verbreitung von Musik nicht mehr herumkommt. Die MidemNet ist kein Markt für Internetfirmen, es ist eine Konferenz, die Branchenprofis aus aller Welt, die von den verschiedenen Problemen im Zusammenhang mit Internet und Musik betroffen sind, mit den besten Spezialisten zusammenführt. Hier finden sie Antworten auf ihre Fragen, egal, ob es sich um Distribution, Marketing, Onlineverkäufe oder rechtliche Probleme handelt.

mw: Plant Reed Midem Personalveränderungen, nachdem Paul Zilk von CEO Xavier Roy ins Management berufen wurde?

Leguerne: Reed Midem veranstaltet mit 250 Mitarbeitern in Paris, New York und London neun internationale Messen. Roy ernannte Zilk im September zum General Manager, um dieser Entwicklung des Unternehmens gerecht zu werden. Und lassen Sie mich anfügen – um Spekulationen in manchen Presseorganen entgegenzutreten -, Xavier Roy hegt keineswegs Pläne, am Ende der Midem 2002 von seinem Amt als CEO der Organisation zurückzutreten.