Musik

Im Bummelzug zum Ziel

Gang Go setzt auf Old-School-Methoden

“Bei uns läuft es noch sehr akzeptabel“, erklärt Spillmann und fügt scherzend hinzu: „Zumindest sind wir als Branche noch nicht auf dem Stand von 1978, bevor dann die CD in den 80ern die Lage rettete.“ Die Erfolgsstory der einstigen Produktionsfirma, die sich unter fortwährender Aufbauarbeit zum Label aufgeschwungen hat, schreibt sich zuletzt mit dem hohen Charts-Einstieg von „Relax„, dem überraschenden Chillout-Album von Blank & Jones, fort.

Einer der Gründe dafür sei in der Zusammenarbeit mit wea/Warner zu suchen, wo Gang Go als „Company in der Company“ arbeitet, wie Spillmann erklärt: „Alexander Maurus, Axel Erler und Markus Hartmann von wea sind sehr gute Gesprächspartner, die sich von unserer Seite viel Input wünschen. Deswegen läuft die Kooperation genauso positiv, wie wir uns das erhofft haben, obwohl wir sehr plötzlich und aus dem Stand heraus anfangen mussten.“ Zudem seien die „Zeiten nicht leichter geworden“, sagt der Branchenveteran, der in den 80ern bereits mit Metallica und Yello große Erfolge feierte. „Ich wünsche mir, dass wir weniger über Marketing und mehr über Musik sprechen würden“, urteilt Spillmann. „Gang Go ist wie ein Zug, der auch mal etwas bummelt, denn wir sind auf Langfristigkeit und Qualität bedacht. Gottfried Engels und ich sind in diesem Punkt viel zu sehr oldschool, als dass wir unsere Strategie hier noch ändern würden.“ Nur eine langfristige Aufbauarbeit könne letztlich echte Künstler etablieren, sagt er und betont: „Acts, die dafür länger brauchen, haben auch ein längeres Potenzial, weil sie die Fans auf diesem Weg mitziehen.“

Eine Krise der Dance-Musik als Genre kann Spillmann dabei nicht erkennen, räumt jedoch ein, dass alles in Wellen verläuft und Dance zur Zeit eher hinten schwimmt.“ Mit selbstkritischen Überlegungen macht er auch vor einigen eigenen Acts wie Fragma oder Paffendorf nicht halt: „Wir sind ständig auf der Suche, wie es weitergehen soll. Wenn der Erfolg aufhört, muss die Frage erlaubt sein, ob es sich vielleicht ausgefragmat oder ausgepaffendorft hat. Denn wohin der Zeitgeist weht, wissen auch wir nicht.“ Dagegen warnt Spillmann davor, die DJ-Promotion aufzugeben, wie es zuletzt aus Branchenkreisen zu hören war: „DJ-Bemusterung ist immer noch das billigste Tool, um die Chancen eines Titels zu testen. Bei uns kommt der Vinylverkauf für einen Teil der Kosten auf.“ Statt die DJ-Promotion zu beschneiden, rät er zu Reduzierungen bei Videos und Kampagnen und meint auch: „Nicht alle Dance-Charts werden überleben und manche DJ-Pools sind viel zu groß. Es ist Aufgabe der Dance AG, hier vernünftige Konzepte zu entwickeln.“