Auf die Idee muss man erst einmal kommen: Ein Klaviermotiv aus den „Gnossiennes“ des französischen Komponisten Erik Satie als jericho-verdächtigen Bläsersatz in ein sonnig dahinfließendes Popjuwel mit dem Titel „Soleil Soleil“ zu packen, das mit atmosphärischem Gesang und polierter Nylon-Gitarre durch den Äther driftet. Aber offensichtlich handelt es sich bei Ilya um ein frankophiles Trio – schon der Name erinnert an das französische „il y a“ („es gibt“), und auch sonst tauchen in den neun Stücken des Albums immer wieder französische Zitate auf.
Dabei kommen Sängerin Jo Swan und ihre beiden Begleiter Nick Pullin und Dan Brown nicht etwa aus Paris, sondern aus der britischen Hafenstadt Bristol. Und richtig: So klingen sie auch. Irgendwas muss in Bristol in der Luft liegen oder dem Leitungswasser zugesetzt sein, dass diese Stadt immer wieder außergewöhnliche Acts hervorbringt, von Portishead über Tricky bis Massive Attack. Ilya-Musiker Nick Pullen erklärt das so: „In Bristol darf man als Musiker experimentieren; das wird geradezu von dir erwartet.“ Pullen meint allerdings, Ilya habe keinen typischen Bristol-Sound: „Wir sind viel zugänglicher.“
Dennoch kann die Musik von Ilya den TripHop-Nährboden von Bristol nicht verleugnen. Auf dieser Basis entfaltet sich jedoch eine neue Dimension, die an Soundtracks von Ennio Morricone oder Nino Rota, an Chansons der Vierziger oder an den Sonntagnachmittagstanztee mit Damenwahl bei Cafe Keese erinnert. „Wir nennen unseren Stil,Episches Easy Listening'“, erklärt Nick Pullen. Und Sängerin Jo Swan ergänzt: „Jeder Song ist wie eine kleine Theaterproduktion.“
Gelegenheit zum Üben ergab sich für das Trio in den vergangenen vier Jahren oft genug: Man spielte auf Hochzeiten und Familienfesten und vermutlich auch bei dem einen oder anderen Sonntagnachmittagstanztee, und Pullen meint: „Damals hielten wir das für den absoluten Tiefpunkt, aber im Rückblick war es einfach ein fantastisches Training.“ Was tut man schließlich nicht alles im Streben nach Perfektion? Und so heißt das Album nicht ohne Berechtigung „They Died For Beauty“, auch wenn das morbide Tanztrio aus Bristol sicher nicht in Schönheit sterben möchte.
Die bittersüße, verträumte Stimmung der neun Songs mit ihren elegant fließenden Melodien und dezenten jazzigen Untertönen spiegelt sich übrigens im hervorragenden Artwork wieder. Es entstand unter der Regie von Peter Saville, der in den frühen Achtzigern für das Design des legendären Labels Factory Records verantwortlich zeichnete und damit unter anderem für Plattencovers von Acts wie Joy Division oder Durutti Column. Keine schlechten Referenzen für Jo Swan, Nick Pullen und Dan Brown. Und wahrscheinlich würde das auch Erik Satie gefallen.



