“ Derzeit geht es der Tonträgerindustrie nicht gerade rosig. Hat sich dadurch im Verhältnis zwischen Künstler und Plattenfirma etwas geändert?
Es gab ja immer zwei Lager. Die einen sagten stets: „Die Plattenfirma hat Schuld.“ Die anderen arbeiteten mit den Firmen zusammen. Ich gehörte immer zur zweiten Gruppe. Ich meine, dass alle an den derzeitigen Problemen ihren Anteil haben. Wir sitzen alle in einem Boot, aber ich bin sicher, dass es irgendwie weitergeht. Ich kann optimistisch sein, weil ich mich darauf spezialisiert habe, deutsche Texte zu schreiben.
“ Wo sehen Sie die Hauptprobleme der Musikbranche?
Das sind die kostenlosen Downloads aus dem Internet. Unter Kids ist es ja geradezu uncool, eine „normale“ CD mit auf den Schulhof zu bringen und sich dann grinsend fragen zu lassen: „Was, du kaufst CDs?“ Aber ich glaube, dass die soeben erfolgte Änderung des Urheberrechtsgesetzes der richtige Weg ist, und die Verbreitung der illegalen Downloads soll ja schon spürbar zurückgegangen sein. Ich gebe zu, dass ich als Künstler erst einmal die Scheuklappen aufsetze und einfach weitermache. Ich will Musik machen und bin kein Revoluzzer, der vorher die Branche umkrempeln will. Ich schwimme mit dem Strom mit. Ich bin so bescheuert.
“ Was würden Sie als Künstler der Industrie raten?
Wir müssen zusammenrücken, gemeinsam handeln. Wir müssen uns schnell über eine gemeinsame Internetplattform verständigen. Wenn die Plattenfirmen das nicht hinkriegen, wäre es sehr schade. Und mein Wunsch wäre, nicht gegen die Firmen, sondern mit ihnen zu arbeiten. Meine „bescheidenen Hits“ habe ich immer dank der Zusammenarbeit mit guten Leuten bei Plattenfirmen, mit guten Brainstormings und guter Kommunikation erreicht. Daher verstehe ich die Antihaltung mancher Kollegen nicht.
“ Wie sollte denn die gemeinsame Internetplattform aussehen?
Das Schlüsselwort heißt komfortabel. Wenn ein Download komfortabel und legal möglich ist, wird das auch angenommen werden. Es gibt durchaus Leute, die in dieser Beziehung moralisch denken. Meinetwegen erst ab einem Alter von 20, aber immerhin. Die Leute werden auch bequem und finden es nicht mehr so wahnsinnig spannend, wenn sie im Internet nach einem Song suchen müssen.
“ Wie stehen Sie zur Forderung nach einer Radioquote für deutsche Titel?
Ich bin absolut für die Quote. Als Verfechter der deutschen Sprache bin ich natürlich für die Präsenz deutscher Texte im Rundfunk, weil eben mit deutschen Texten der „elfte Mann“ in der Fußballmannschaft nicht fehlt. Es klingt vielleicht seltsam, wenn ich sage, dass wir eine Verantwortung unserer eigenen Kultur gegenüber haben, und gleichzeitig „Big Brother“ mache. Aber für mich ist eine Aussage wie „Liebst du mich oder liebst du mich nicht“ völlig in Ordnung. Für mich ist auch Volksmusik Kultur.
“ Wann standen Sie zuletzt als Livemusiker auf der Bühne?
Das war 2000 mit „Rette mich“, einem Duett mit Peter Maffay in der Münchner Olympiahalle, in der Endphase unserer Gruppe Roh, als wir fast 600 Auftritte absolviert hatten. Ein ziemlich harter Lebensstil, von dem ich mich dann auch verabschiedet habe, um ins schreiberische Metier zu wechseln.
“ Was war Ihr erster Erfolg als Texter?
Es begann mit Lindenberg. Ich schrieb mit Udo den einen oder anderen Text, zunächst 1990 für „Ich will dich haben“, immerhin ein Gold-Album. Aber mein erster eigener Erfolg wurde dann 1995 der Text von „Du musst ein Schwein sein“ von den Prinzen. Ich trennte mich von Lindenberg, weil ich kein Clan-Kind werden wollte, und hatte den nächsten Erfolg 1996 mit „Blümchen“ und „Bumerang“.
“ Wie erklären Sie sich, dass Sie von Anfang an bei Kollegen und in der Branche so gut angekommen sind?
Vielleicht weil ich besonders jung war und gleichzeitig das Handwerk schon einigermaßen beherrschte. Vielleicht war es auch ein wenig der Hip-Faktor, keine Ahnung. Außerdem hatte ich mich schon früh auf deutsche Texte spezialisiert.
“ Haben Sie als Texter ein Vorbild?
Rio Reiser – wegen seiner direkten Sprache.
“ Welche Songs, welche Arbeiten haben Ihnen bisher am meisten Spaß gemacht?
Es mag paradox klingen, aber die Sachen für die „Big Brother“-Show. Es war wie ein Spiel, für welches das Leben die Regeln vorgab. Es war sehr interessant und fruchtbar, weil ich eben auch mit kompetenten Leuten wie Volker Neumüller von der beteiligten Plattenfirma Sony Music zusammenarbeiten konnte. Gute Briefings, gute Kommunikation, es war wie eine Family. Und das „X“-Album mit Peter Maffay hat unheimlich Spaß gemacht, weil ich mich da lyrisch zum ersten Mal total austoben konnte.
“ Gibt es einen Interpreten, eine Sängerin, einen Traumkünstler, für den Sie gern einmal texten würden?
Herbert Grönemeyer. Wenn der mal einen Text von mir singen würde, wäre es ein Kompliment.
“ Welchen Song hätten Sie selbst gern geschrieben?
„König von Deutschland“ von Rio Reiser. Weil Rio stets mit kleinen Bildern große Poesie machte und weil er so direkt war.
“ Welche CD haben Sie sich zuletzt gekauft?
Musik zu Hause zu hören, ist bei mir ein bisschen selten geworden. Ich mochte zuletzt die Eels sehr gern, aber da ich fast den ganzen Tag selbst Musik mache, höre ich nur sehr wenig. Aber ich sehe ständig MTV und Viva, um am Puls der Aktualität zu bleiben.
“ Haben Sie ein Lebensmotto?
Möglichst immer der Erste sein, früh am Ball, früh dabei sein. Als Erster in Deutschland wach sein.


