Musik

„Ich kann mich an keinen einzigen Ton erinnern“

Die Jungs von Madsen über ihre neue CD „Goodbye, Logik!“, den besonderen Geruch von Open Air Festivals und die Kunstsprache Englisch.

“ Ihr spielt jetzt im Sommer bei einigen Open Airs – was ist für euch das Besondere daran?

Sebastian: Gute Luft, gute Freunde und viele andere Bands, von denen man durch zugucken einiges lernen kann. Außerdem ist der Geruch aus Menschenmassen, Zeltplatz und offenem Feuer sehr eigentümlich. Und es ist angenehmer für die Stimme als in einem verrauchten Club zu singen.

“ Habt Ihr musikalische Vorbilder?

Sebastian: Vorbilder nicht, aber wir sind Fans von Kettcar, Tomte, Olli Schultz und Element of Crime. Die deutschen Bands haben wir mittlerweile alle bei Festivals persönlich getroffen – das ist toll. Sascha: International kommen noch die Flaming Lips und The Strokes dazu. Folli: Und die unvergessenen The Clash.

“ Eure bisher größten Auftritte hattet Ihr bei Rock im Park und der MTV Campus Invasion. Wie fühlt es sich an, vor tausenden von Menschen zu spielen?

Sebastian: Rock im Park war unser erstes großes Ding. Ich hatte an diesem Tag auch noch Geburtstag und kann mich an keinen Ton erinnern. Ich war einfach zu aufgeregt.

“ Welche Art von Leuten kommen zu euren Konzerten?

Sebastian: Sehr sympathische Leute, eine nette Mischung. Sascha: In der ersten Reihe stehen meistens die kleinen Mädels, dahinter die 15-jährigen Zecken, dann kommen die älteren. Sebastian: Wir legen es nicht darauf an, eine Teenie-Band zu sein, haben aber auch kein Problem damit. Schließlich können die Jugendlichen ordentlich abflippen.

“ Wie würdet Ihr eure Musik vom Stil her einordnen?

Johannes: Es ist schwer, sich selbst einzuordnen. Aber wenn man Madsen mit Bands wie Tomte oder Tocotronic vergleicht, fassen wir das als Kompliment auf.

“ Ihr seid jetzt schon eine ganze Zeit lang im Musikgeschäft dabei. Ist es so, wie Ihr es euch vorgestellt habt?

Sebastian: Wir haben zwei Extreme kennen gelernt. Bei unserer ersten Plattenfirma haben wir nur schlechte Erfahrungen gemacht, die hat alle Klischees eines miesen Majorlabels erfüllt. Bei unserer jetzigen Plattenfirma haben wir es mit netten, musikbegeisterten Menschen zu tun.

“ Gab es für euch Alternativen zur Musikkarriere?

Johannes: Vor langer Zeit mal, aber damit hätte man früher anfangen müssen. Sebastian: Wir glauben sehr an das, was wir tun. Wir wissen natürlich, dass wir sehr viel Glück hatten. Aber wir besitzen Kampfgeist und haben wirklich Lust darauf, Musik zu machen.

Was antwortet Ihr auf die beliebte Eltern-Frage „Könnt ihr davon leben?“

Sebastian: Ja, wir können davon leben. Aber es scheint ein Problem der Deutschen zu sein, diese Art von Kunst als legalen Broterwerb zu akzeptieren. Niko: Bei der Bank gebe ich immer an, ich sei selbstständig.

“ Eure neue Platte „Goodbye, Logik!“ erscheint am 11. August. Worauf können sich die Fans freuen?

Niko: Der Hauptunterschied zu unserem Debütalbum ist, dass wir Zeit hatten, um an den einzelnen Songs zu feilen. Sascha: Wir haben das Album in zehn Tagen live eingespielt. Es ist schöner produziert und enthält mehr Feinheiten.

“ Was macht das Leben auf Tour so interessant?

Sascha: Es sind die kleinen Dinge im Leben, die uns wirklich Spaß machen. Neulich hatten wir in Bonn mal einen Tag frei und haben eine Bootsfahrt gemacht – das war schön. Sebastian: Außerdem lachen wir gerne über uns selbst. Wir denken uns im Tourbus immer irgendwelche Spaßcharaktere aus und reden in Dialekten. Folli: Unsere neue Lieblingsfigur sagt dauernd „Säähr vernümpftig“ und „Bullettä“.

“ Woher nehmt Ihr die Ideen für eure Songs?

Sebastian: Das Leben schenkt mir die Ideen. Jeder hat was zu erzählen, ich mach‘ es eben auf meine Art.

“ Viele eurer Fans sagen, eure Musik spräche ihnen direkt aus dem Herzen. Wie schafft man es, auszudrücken, was scheinbar viele Menschen fühlen?

Sebastian: Darüber darf man sich wohl keine Gedanken machen. Man darf nicht versuchen, anderen gerecht werden zu wollen. Man muss in sich reinhören und einfach ehrlich sein.

“ Könntet Ihr euch vorstellen, eine Platte auf englisch aufzunehmen?

Sebastian: Ja, aber nicht mit Madsen. Ich denke, es ist leichter auf Englisch zu texten, Englisch ist für mich wie eine Kunstsprache. Der Klang kann mehr sagen als der Inhalt, viele Songs sind im Prinzip nur eine Aufzählung gut klingender Vokabeln. Auf Deutsch ist das schwieriger, da kann man sich nicht hinter den Wörtern verstecken.

“ Wie geht Ihr mit Kritik um?

Sebastian: Ich finde es sehr ärgerlich, wenn uns jemand kritisiert, der sich gar nicht mit unserer Musik beschäftigt hat. Wenn zum Beispiel unsere Texte falsch zitiert werden, werde ich total fuchsig.

“ Habt Ihr ein ganz großes Ziel, das Ihr als Band noch erreichen wollt?

Johannes: Ja, hoffentlich nicht unter einer Brücke zu enden. Niko: Wir werden einfach bis wir 50 sind weitermachen und dann gehen wir früh in Rente. Sebastian: Nix da! Man kann auch mit 50 noch gute Musik machen und gute Songs schreiben.