Bereits mit den ersten beiden Longplayern, „Brand New Second Hand“ (1999) und „Run Come Save Me“ (2001), gelang es Rodney Smith alias Roots Manuva sich von allen US-Vorbildern erfolgreich zu lösen.
Seine Suche nach neuen Sounds und Beats im Spannungsfeld zwischen HipHop, Elektronik und Dub setzt er auf „Awfully Deep“ konsequent fort. Dabei fiel es dem Rapper und Musiker nicht leicht, seinen Kopf für neue Ideen freizubekommen. „Es kostete mich diesmal extrem viel Energie, mich wieder neu zu motivieren“, erklärt Roots Manuva.
„Es fällt mir zwar leicht, einen kreativen Prozess zu starten, aber ich benötige sehr viel Willenskraft, um in den darauffolgenden Wochen nicht den Überblick zu verlieren. Die einzelnen Elemente einer Produktion müssen perfekt zusammenpassen. Nur dann kann ich mir ein Bild vom Ganzen machen und entscheiden, in welche Richtung ich mich bewegen möchte.“ Abstand zur eigenen Arbeit ist für ihn eine der wichtigsten Voraussetzungen. „So kann ich erkennen, wohin ich meine Musik steuern muss.“
Düster aber melodisch
Im Vergleich zu den ersten beiden Alben setzt Roots Manuva bei „Awfully Deep“ auf mehr melodische Elemente, ohne dass die Musik dadurch ihre düstere Grundhaltung einbüßen würde.
Von „Run Come Save Me“, das 2001 sogar für den Mercury Music Prize nominiert war, setzte er bis heute in England mehr als 100.000 Einheiten ab. Für einen Künstler, der sich noch immer fest in der Underground-Szene verankert sieht, ist das eine mehr als beachtliche Zahl, auch wenn es zwei Jahre gedauert hat, bis die 100.000 CDs verkauft waren.
Inzwischen gilt der Name Roots Manuva als Markenzeichen für eigenständigen englischen HipHop – und als Aushängeschild für eine Generation junger Musiker, die sich längst von der Vorherrschaft der US-Szene gelöst hat. Heute begegnet man sich auf Augenhöhe, und es gibt nicht wenige Kollegen in den USA, die Roots Manuva mit Lob überschütten.
Eigenwillig aber zugänglich
Als besonders schwere Hypothek, die auf ihm lastet, hat er den Erfolg des letzten Albums nicht empfunden. „Für mich stellt sich bei jeder Platte erneut die Frage, wie ich einen neuen Ansatz finde, damit meine Musik nicht auf der Stelle tritt. Dazu ist es nötig, sich eine Auszeit zu nehmen, sich von der Musik um einen herum zu befreien, um völlig unbefangen an die neuen Aufgaben heranzugehen.“
Mehr Zeit zum Schreiben der Songs hat er auch diesmal nicht benötigt. „Schwierig wird es vor allem dann, wenn es darum geht, die Tracks mit bestimmten Sounds auszustatten.“ Doch solche Anstrengungen haben sich hörbar gelohnt, denn mit „Awfully Deep“ ist ihm sein bisher eigenwilligstes und zugleich zugänglichstes Album gelungen.
Überrascht – aber positiv
Dafür sorgen nicht zuletzt seine ungewöhnlichen Gesangseinlagen, mit denen er in einigen Stücken glänzt. „Eigentlich fühle ich mich nicht wohl, wenn ich singen muss, aber diesmal verlangten die Songs einfach danach, und ich hatte keine Lust, mir Helfer zu suchen. So habe ich es einfach selbst gemacht.“
Roots Manuva erweist sich auf „Awfully Deep“ nicht nur als versierter Wortschmied, sondern überzeugt in Stücken wie „Colossal Insight“ und „A Haunting“ auch als Sänger. „Ich war selber überrascht, wie viele neue Facetten diese Stücke dadurch erhalten.“
Für fast alle Zutaten zu diesem Album zeichnet Roots Manuva in Eigenregie verantwortlich; nur gelegentlich griff er auf die Unterstützung von Langzeitpartner Lotek zurück oder arbeitete mit den Musikern und Rappern Steve Dub und Blackitude zusammen.


