Musik

Hoch auf dem grünen Hügel

Bereits die ersten Teile seiner Werkreihe „Bayreuth“ sorgten für Diskussionsstoff. Mit seinem neuen Album „Bayreuth 3“ provoziert Joachim Witt diesmal mit gesellschaftspolitischen Themen.

“Für mich gab es eigentlich keinen besonderen Grund, auf die Werkreihe ‚Bayreuth‘ zurückzukommen“, erklärt Joachim Witt. „Es hat sich einfach so ergeben.“ Ursprünglich sollte das 2002 veröffentlichte Album „Eisenherz“ unter dem Titel „Bayreuth 3“ erscheinen.

„Das Songmaterial entsprach aber letztlich nicht dem, was ich mir für den dritten Teil vorgestellt hatte, und genauso war es auch beim darauf folgenden Album, ‚Pop‚. Es entwickelte sich irgendwie anders, und ich bin in Seitenstraßen gelandet, die dann auch mal abgegangen werden mussten.“

Suchender Protestgänger

Nachdem sich Joachim Witt in den ersten beiden „Bayreuth„-Alben mit seiner Sehnsucht nach Romantik und der eigenen kulturellen Identität auseinander gesetzt hat, widmet er sich auf dem dritten Teil der Politik und den Auswirkungen der Globalisierung.

Ein einfach zu durchschauender Protestsänger ist er deshalb noch lange nicht geworden. Er verpackt seine Botschaften in Songs wie „Wo versteckt sich Gott?“ oder „Wem gehört das Sternenlicht?“ mit pathosgetränkten Texten, die alles andere als einfache Lösungen oder Botschaften anbieten. „Mir war es schon immer wichtig, mich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander zu setzen. Aber diesmal sind die Entwicklungen in dieser Richtung so dramatisch, dass ich nicht umhin konnte, meine persönlichen Gefühle zu äußern.“

Stellung bezogen

Joachim Witt bezeichnet „Bayreuth 3“ nicht umsonst als „Positionspapier“. Für ihn sei es gerade jetzt immens wichtig, Stellung zu beziehen, sich einzubringen und die Finger auf die Wunden einer immer stärker globalisierten Gesellschaft zu legen. „Gerade Musik, bei der die emotionale Ansprache eine so wichtige Rolle spielt, ist ein sehr schönes Medium, um Inhalte entsprechend deutlich zu vermitteln.“

Joachim Witt macht auch aus seiner Sympathie für eine Bewegung wie ATTAC keinen Hehl: „An einem Slogan wie ‚Für eine gerechtere Welt‘, so banal der auch im ersten Moment klingt, kann ich durchaus etwas Gutes finden.“ Und so nutzt er seine kulturelle Identifikation mit dem nicht unumstrittenen Werk von Richard Wagner auch diesmal wieder dazu, um seine Positionen zu überdenken und neu zu formulieren.

„Jeder Einzelne sollte gesellschaftliche Verantwortung für politische Entwicklungen übernehmen. Man muss sich nicht alles gefallen lassen.“ Entsprechend wütend und heftig präsentiert er sich in Stücken wie „Menschen“ oder im gemeinsam mit Tilo Wolf von der Formation Lacrimosa eingespielten Titel „Abendrot“.

Neu aufgenommen

Der Entstehungsprozess von „Bayreuth 3“ war dabei nicht frei von Problemen. „Das Songmaterial, das ich Anfang des vergangenen Jahres schrieb, hat mir nicht gefallen, und ich habe es komplett verworfen.“ Innerhalb von zwei, drei Wochen schrieb Joachim Witt das Album dann komplett neu und spielte es mit Hilfe bewährter Musiker wie Ritchie Barton, Jäcki Reznicek und Uwe Hassbecker von Silly ein.

„Ich war so wütend über mich selbst und bin deshalb mit der entsprechenden Motivation an die Arbeit gegangen. Es war nicht das erste Mal, dass ich mit Aufnahmen nicht zufrieden war, aber so krass war es noch nie.“