Geboren wurde M.I.A. im Londoner Stadtteil Hounslow. Doch schon im Alter von sechs Monaten zogen ihre Eltern zurück nach Sri Lanka. Wegen des eskalierenden Bürgerkriegs auf der Insel verließ die Familie jedoch das Land wieder und ließ sich schließlich Ende der Achtziger erneut in London nieder.
Und dort beginnt auch die Geschichte der Künstlerin Maya Arulpragasam. Sie begeisterte sich in ihrer Jugend für Bands wie N.W.A. oder Public Enemy, doch eigentlich ist sie Künstlerin: In London besuchte sie die Central Saint Martins Art School und begann ihre Karriere unter dem Namen M.I.A. – prompt wurde sie für eine ihrer Arbeiten für den Turner Prize nominiert.
Anschließend ging sie mit der englischen Band Elastica, für deren zweites Album sie das Coverartwork entwarf, auf US-Tournee, wo sie die Musikerin Peaches kennen lernte, die ihr den Umgang mit diversen elektronischen Musikinstrumenten beibrachte. Von da an war es nur noch ein kurzer Weg bis zu ihrer ersten Single „Galang“, die einen wahren Begeisterungssturm in der englischen Presse auslöste.
Der Stil festigt sich
Der 2004 veröffentlichte und zusammen mit Steve Mackey und Ross Orton entstandene Track enthielt bereits alle Zutaten, die den Sound von M.I.A. so unverwechselbar machen: extrem raue, deutlich von der Grime-Szene inspirierte Beats, kurze Melodieneinsprengsel sowie vielschichtige Rap- und Gesangseinlagen in diversen Slang- und Sprachvarianten, unter anderem in Cockney und Tamilisch.
Für XL Recordings hat sie sich vor allem aus einem Grund entschieden: „Das Label bot mir gleich zu Begin der Verhandlungen an, dass ich die komplette kreative Kontrolle über alles behalte. Da konnte ich wohl kaum nein sagen.“ In der Tat klingt „Arular“ über weite Strecken wie ein unbehauener Rohdiamant. M.I.A. hat ganz bewusst darauf verzichtet, ihre Songs auf Zugänglichkeit zu trimmen.
Zusammen mit ihren Produzenten, unter anderem Richard X und Steve Mackey (Ex-Pulp), achtete sie bei den Aufnahmen vor allem auf eins: „Ich arbeite im Studio sehr spontan und unkonventionell. Das schlägt sich am Ende auch in der Musik nieder. Wir haben alles mögliche versucht und jede potenzielle Klangquelle genutzt. Als wir zum Beispiel feststellten, dass sich mit meinen Ohrringen ein gewisser Sound erzeugen ließ, haben wir den sofort aufgenommen und weiterverwendet.“
Selfmade-Künstlerin
M.I.A. versteht sich aber nicht nur als Musikerin, sie will mit ihren Songs auch dazu beitragen, das Bewusstsein ihrer Zuhörer für soziale Brennpunkte zu sensibilisieren. „Mir geht es nicht nur darum, die Menschen über die Zustände auf Sri Lanka aufzuklären. Wohin man auch blickt – es gibt fast überall ähnliche Geschichten und Vorgänge“, sagt sie.
In ihrer Musik spiegele sich ihr bisheriges Leben wieder, weshalb manche Stücke für Außenstehende so eigenartig und unkonventionell klängen. „Ein großer Vorteil war sicher auch, dass ich eben keine ausgebildete Musikerin bin und ich mir deshalb viele Dinge auf recht ungewöhnliche Weise angeeignet habe.“


