Musik

HipHop-Kopplungen: Schwieriges Terrain für Compilation-Macher

Das Angebot an Kopplungen im HipHop-Bereich ist im Vergleich zu anderen Genres eher bescheiden. Derzeit sind aber diverse neue Formate am Start beziehungsweise in Arbeit. musikwoche.de gibt eine aktuelle Bestandsaufnahme.

Nicht nur die Zahl der fernsehbeworbenen HipHop-Compilations am Markt ist deutlich geringer als etwa im Dance-Bereich, es existiert bislang auch keine Serie, die sich über Jahre hinweg beständig gehalten hätte.

Zwischen 1996 und 1998 gab es die Formate „Rapper’s Paradise“ (MCA/Universal) mit immerhin sechs Folgen und „Magic HipHop“ (Sony Music Media) mit fünf Ausgaben. Danach lag das Segment HipHop-Compilations eine Zeit lang fast völlig brach. Rap-Titel fanden sich neben Soul- und R&B-Songs zwar noch als Bestandteil von Serien wie „Touch My Soul“ oder „Bravo Black Hits“, neue reine HipHop-Formate kamen aber kaum nach.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen bilden die HipHop-Fans eine höchst anspruchsvolle Klientel, die zum Teil sehr auf bestimmte Künstler fixiert und daher generell schwer für Compilations zu begeistern sei, wie Florian Lamp, TV Commercial Manager bei Polymedia betont. „Wenn da auf einer Kopplung nur ein oder zwei Titel drauf sind, die dem HipHop-Fan nicht passen, dann kauft er sie nicht“, ergänzt Sven Greiner, Junior PM bei Warner Strategic Marketing (WSM). Thorsten Tutzeck, stellvertretender Abteilungsleiter TV Concept Marketing bei BMG Ariola Media, verweist in diesem Zusammenhang auf das nicht nur unter den Musikern, sondern auch unter den Hörern verbreitete Clan-Denken wie Eastcoast- gegen Westcoast-Rap.

In den Neunzigern sei das Repertoire an HipHop-Titeln in den Charts zudem durch Erfolge von Interpreten wie Nana, Pappa Bear oder Down Low, die in der eigentlichen HipHop-Szene keine Anerkennung fanden, verwässert worden, meint Andrea Kossin, Group Product Manager Concept Marketing bei Berlin Records. Hinzu kommen massive Lizenzprobleme. „Bei vielen bekannten Künstlern ist es generell schwierig, Titelfreigaben für Compilations zu bekommen“, berichtet Florian Lamp. Dies bestätigt auch Sven Greiner, der zudem das Problem anspricht, dass oft mehrere bekannte Rapper an einem Hit mitwirken. Da gelte es dann mit diversen Verlagen und Labels zu verhandeln. Und dann geht es noch um die Rechte der verwendeten Samples.

Trotz dieser Schwierigkeiten gibt es in jüngster Zeit wieder einige vielversprechende Neuanfänge auf dem diffizilen Terrain der HipHop-Kopplungen. So verbuchte BMG Ariola Media im Sommer 2000 in Zusammenarbeit mit dem Trendlabel BMG Modul mit der Sammlung „Rhymes Galore – Ich lebe für Hip Hop eine Nummer drei in den Compilation-Charts. In diesem Jahr erschien die zweite Folge, Ausgabe Nummer drei ist für den Spätsommer oder Herbst geplant. „Mit einer Mischung aus attraktiven internationalen und deutschen Titeln ist dies momentan das thematisch breiteste Angebot am Markt“ betont Thorsten Tutzeck. Gerade auch in Deutschland habe HipHop eine hohe Wertigkeit erreicht, was den Compilation-Spezialisten die Arbeit im Vergleich zur Situation von vor einigen Jahren erleichtere.

Erfolg im Hip Hop-Bereich hatte jüngst auch WSM mit dem Jahresrückblick „Best Of HipHop 2000“, der von null auf sechs der Compilation-Hitliste schoss. So wird es laut Sven Greiner auch zum Ende dieses Jahres einen Nachfolger geben. Außerdem bringt WSM Mitte Juli mit „Yo! – Phat HipHop Tunes“ ein neues Format auf den Markt – wie Greiner betont eine „kredible Kopplung aus internationalen und deutschen Titeln, bei der wir Tracks, die möglicherweise in der Szene keine Anerkennung finden könnten, von vornherein herausgefiltert haben“.

Frisch auf dem Markt ist bereits eine Neukreation von Berlin Records/ Sony Music namens „Wrap It Up- The Most Current Rap-Tracks“, die sich in der ersten Woche gleich auf Rang 19 der Compilation-Charts platzierte. „Mit diesem Format wollen wir unsere Lücke im HipHop-Segment schließen“, bekräftigt Produktmanagerin Andrea Kossin, die seit November an dieser Kopplung arbeitet. Aufgrund der komplizierten Rechtesituation dauere es eben bei HipHop-Zusammenstellungen von der Planung bis zur Veröffentlichung entsprechend länger als bei genreübergreifenden Hit-Kopplungen oder bei Dance-Compilations. Dafür sei es ihr gelungen, Top-Titel wie „Gravel Pit“ vom Wu-Tang Clan oder „Back 2 Front“ von Xzibit frei zu bekommen. „Wrap It Up“ ist als Serie mit zwei VÖs pro Jahr konzipiert.

Auch Polystar/Polymedia bringt am 2. Juli mit „Vorsprechtermin“ eine neue Kopplung in die Läden, die speziell die Hamburger HipHop-Szene von Absolute Beginner bis Fünf Sterne Deluxe vorstellt – und dies nahezu ausschließlich mit exklusiven Titeln. Florian Lamp erhofft sich hier auch Synergieeffekte durch die Zusammenarbeit mit dem Partner-Label Motor Music, bei dem das Stück mit dem Titel „Vorsprechtermin“ von Sleepwalker feat. Hamburg City Allstars vorab als Single erschienen ist.

Was sich schließlich in der Hauptstadt in Sachen Rap tut, demonstriert das gerade erschienene Album „Berlin macht Schule 2 – HipHop“ von V2/Zomba das Beiträge von Seeed bis Das Department einschließt.