Niels Wittmann, Geschäftsführer von New Noise in Berlin, nimmt für sich in Anspruch, einer der ersten gewesen zu sein, der im HipHop-Bereich tätig war – Ende der Achtziger wechselte er von der Independent- in die HipHop-Szene und übernahm 1988 New Noise. „Viele meiner Kunden sind DJs oder Leute, die selbst Musik machen“, bestätigt Wittmann.
Mehr als 90 Prozent der bei ihm verkauften Platten sind Vinyltonträger, wobei amerikanischer HipHop am besten läuft. HipHop soll auch künftig wichtigster Bestandteil seines Sortiments bleiben, doch Wittmann stellt fest: „Früher war das Geschäft sehr stark, doch zur Zeit stagniert es, da HipHop mainstreamig geworden ist.“
Um die Entwicklung deutschen HipHops zu fördern, gründete Wittmann zudem kürzlich mit New Noise Recordings ein künstlernahes Label. Der direkte Kontakt zu den Musikern ist ihm wichtig, diese sollen zu ihm in den Laden kommen und ihre Musik vorstellen können. Erste Veröffentlichungen sollen im Herbst vorliegen.
Auch bei bam bam in München bilden vorrangig DJs die Stammkundschaft. Darum liegt auch der Vinyl-Anteil bei fast 100 Prozent. Das Geschäft spezialisierte sich vor etwa drei Jahren auf HipHop. Das Angebot stammt etwa zur Hälfte aus den USA und Deutschland, zu geringeren Anteilen aus England und Frankreich. „Die Tendenz geht in Richtung des deutschen HipHop“, stellt Filip Bakija, Mitarbeiter bei bam bam, fest. HipHop aus Deutschland sei früher noch belächelt worden und nur über Mail Order erhältlich gewesen, doch 1998 sei mit Absolute Beginner der Durchbruch gekommen.
„Viele sagen, dass der deutsche Anteil zurückgeht, doch das stimmt nicht“, bekräftigt Bakija. Vielmehr handele es sich derzeit um einen Ausleseprozess. Früher seien zwei deutsche HipHop-Platten pro Woche auf den Markt gekommen, heute seien es 20 und mehr, „und die Kunden könnten nicht alle kaufen“.
Zudem macht Bakija Probleme im HipHop-Bereich aus. „Deutschland ist ein großer HipHop-Markt, doch der wird falsch bedient.“ Bei großen Firmen säßen die falschen Leute in verantwortlichen Positionen. Beim Thema HipHop sollte laut Bakija das Sagen haben, wer sich in der Szene auskenne.
Mit Groove Attack findet sich in Köln ein HipHop-Shop, der bereits 1988 in Wuppertal gegründet wurde: „Der Laden ist ein Überbleibsel des BeatBox Clubs“, erinnert sich Geschäftsführer Lars Dorsch. „Viele internationale Künstler spielten dort, von denen in Deutschland keine Platten erhältlich waren. Deswegen wurde Groove Attack eröffnet.“
1991 folgte der Umzug nach Köln. „Wir sind HipHop-lastig, verkaufen aber auch andere Genres“, erläutert Dorsch. Viele DJs decken sich bei Groove Attack ein, doch sei die Kundschaft etwas bunter gemischt. Dies zeige sich auch daran, dass rund 20 Prozent des Sortiments aus CDs besteht. „Wir sind importorientiert und beziehen unsere Platten in erster Linie aus den USA und England“, meint Dorsch.
Da zum Groove-Attack-Imperium auch ein Vertrieb zählt, habe man im Vergleich zu anderen Händlern Neuerscheinungen teils Tage früher im Laden. „Das ist wichtig, da unsere Kunden den Anspruch haben, am Puls der Zeit zu sein.“ Aber auch die deutsche HipHop-Szene sei wichtig. „Vor wenigen Jahren kam ein großer dynamischer Sprung beim Umsatz, den hatten wir dem deutschen Hip Hop zu verdanken“, so Dorsch.
Auch der MZEE HipHop Mailorder fand seinen Sitz in Köln. Der Versand selbst wurde 1995 gegründet, doch die Firmenaktivitäten gehen bis 1984 zurück. „Im klassischen Handel war deutscher HipHop nicht erhältlich. Wir wollten dieses Genre allen Interessierten zugänglich machen“, so Geschäftsführer Ralf Kotthoff.
Das Unternehmen bedient vor allem Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, liefert aber auch in die ganze Welt aus. Unter den Kunden befinden sich laut Kotthoff viele DJs, die gezielt nach neuen Platten ausschauen, sowie Sammler und normale Konsumenten, die Produkte suchen, die nicht im Laden zu finden seien. Auf eine verkaufte CD kommen bei MZEE rund 20 Vinylplatten. „Unsere musikalischer Schwerpunkt ist Deutschland, aber wir beziehen auch Produktionen aus den USA, wobei wir aber auf Mainstream und Pop-Rap verzichten“ so Kotthoff.
Hip Hop aus Frankreich verkaufe sich dagegen schlecht, und in England gäbe es zur Zeit eine Flaute. Die Entwicklung des Geschäfts sei stets parallel zum Fortschritt des Markts verlaufen, was für MZEE ein stetes Wachstum bedeutete. „Die HipHop-Kultur hat uns mitgetragen“, bemerkt er und meint als Ausblick: „Es gibt eine gesunde Basis, da kann ich sehr ruhig in die Zukunft schauen.“
Adressen
New Noise Die Schönlein-Straße 3 10967 Berlin Tel.: 030/69 04 01 37 Fax: 030/692 75 63 Geschäftsführer: Niels Wittmann Internet: www.newnoise.de E-Mail: [mailto:[email protected]@@@[email protected]]
bam bam Ledererstraße 10 80331 München Tel.: 089/29 16 49 81 Fax: 089/29 16 88 51 Geschäftsführer: Suat Günnes E-Mail: [mailto:[email protected]@@@[email protected]]
Groove Attack Maastrichter Straße 49 50672 Köln Tel.: 0221/52 20 37 Fax: 0221/52 20 39 Geschäftsführer: Lars Dorsch Internet: www.grooveattack.com E-Mail: [mailto:[email protected]@@@[email protected]]
MZEE HipHop Mailorder Vitalisstraße 379a 50933 Köln Tel.: 0221/95 17 50 Fax: 0221/951 75 22 Geschäftsführer: Ralf Kotthoff Internet: www.mzee.com E-Mail: [mailto:[email protected]@@@[email protected]]


