Schon in einem lange zurückliegenden Interview mit der Zeitschrift Spiegel hat Herr Stein bedauert, dass die Manager der Musikwirtschaft nicht im Wirtschaftsteil der Zeitungen die entsprechende Beachtung fänden. Ein Vergleich mit Zuhältern und Gebrauchtwagenhändlern – von ihm selbst damals aufgestellt – geht nicht ganz fehl, wenn man bedenkt, dass er in demselben Interview bemängelte, dass Verträge mit Künstlern nur noch mit deren Anwälten ausgehandelt werden würden, was die Arbeit der Musikwirtschaft erschwere. Zumindest Zuhälter haben dieses Problem nicht!
In Wahrheit gehört Herr Stein in Bezug auf die Misere der Musikwirtschaft doch zum Kreis der Täter. Denn nun beruft er sich auf die fehlende Stärkung der Rechte der Urheber und übersieht dabei, dass die Musikwirtschaft per se doch nur mit abgeleiteten Rechten handelt. Eine Stärkung der Urheber als solchen gegenüber der Musikwirtschaft, wie von der Bundesregierung vorgesehen gewesen, konnte gerade noch abgemildert werden.
Herr Stein sollte sich einmal vergegenwärtigen, dass die Absatzkrise auch und vor allen Dingen mit einer Krise des A&R-Bereichs der Musikwirtschaft einhergeht. Wer nur noch das einkauft, was er auf dem gerade hauptsächlich beackerten Markt der Teenager verkaufen kann – und wer jahrzehntelang die Medienlandschaft in einer Weise beeinflußt, dass diese letztendlich nur noch zum Verkaufsförderer solcher Segmente wird – damit gleichzeitig aber alle Kanäle zum Verkauf anderer Produkte regelrecht „zuballert“, der muss sich nicht wundern, wenn sich die übrigen Zielgruppen von dem Angebot der Musikindustrie abwenden.
Einen Ersatz bietet das Internet denen hierfür aber noch nicht, und hier läge ja die Chance der Musikwirtschaft. Denn die Käufer sind ja leider noch garnicht selbständig genug, um nach der Musik im Internet zu suchen, die ihnen auch gefallen würde. (Diejenigen, die dazu in der Lage sind, fallen allerdings als Käufer aus, denn das sind diejenigen, die auch die Technik eines CD-Brenners beherrschen.)
Es ist letztendlich das Versäumnis der Musikwirtschaft ein Angebot an Musik zu bieten, für die man noch Geld ausgibt – was einem aber unter die Nase gehalten wird, ist unsäglich.


