Im Admiralspalast in Berlin-Mitte stellten „Quatsch Comedy Club“-Moderator Thomas Hermanns und Schlagersänger Christian Anders ihr Trashical „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ vor. Das Stück, das den Aufstieg und Fall eines Popstars zum Inhalt hat, beruht auf der Platte „Der Untergang von Taro Torsay“, die Anders 1973 herausbrachte.
„Das Stück soll die Berliner ‚Rocky Horror Picture Show‘ werden und 20 Jahre laufen“, wünscht sich Hermanns, der die Schallplatte Mitte der Achtziger für zwei D-Mark auf dem Flohmarkt entdeckte und sofort begeistert war. Für Hermanns soll die aktuelle Aufführung die „dritte und letzte Fassung der Muppet Show auf Speed“ sein, nachdem er bei dem Vollplayback- Stück bereits 1986 und 1993 Regie führte.
Da sich die Produktionskosten von „Der Untergang von Taro Torsay“ im legendären Hansa Studio damals auf 250 000 Mark beliefen, gelang es, mit dem Verkauf von 60 000 Exemplaren, gerade so die Kosten wieder einzuspielen, wie Anders erzählte. „Für meine damalige Plattenfirma waren die Verkaufszahlen natürlich eine Enttäuschung“, räumte Anders ein. Immerhin erhielt der Sänger damals nach eigener Auskunft aufgrund seiner zahllosen Erfolge die Garantiesumme von einer Million Mark pro Jahr von seiner Plattenfirma. Von der späteren Veralberung seines Werkes als trashige Show sei er zunächst ein wenig geschockt gewesen, da er die in dem Stück enthaltene Kritik an der Musikindustrie ernst gemeint habe. Umso erfreuter sei er gewesen, dass durch die Aufführung des Trashicals der Verkauf der Vorlage auf CD angekurbelt wurde. Hinzu kamen „die hysterischen Reaktionen“ des Publikums. „So etwas hatte ich noch nicht gesehen“, so Anders, der zudem in Berlin die Gelegenheit nutzte, um seine aktuelle CD vorzustellen. „Explosive Leidenschaft“ (Jack White/Sony BMG Ariola), enthält neben neuen Songs und alten Hits auch eine türkische Version von „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“.
Auch weitere Trashicals oder ein Kinomusical seien in der Zukunft denkbar, so Hermanns. „Der Backkatalog von Christian Anders gibt einiges her“, erklärte der Komiker und Fernsehmoderator dazu lachend. Seit 11. November läuft „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ jeden Samstag um Mitternacht im 400 Zuschauer fassenden Admiralspalast-Studio. Zunächst sind zehn Aufführungen geplant. „Der Höhepunkt wäre, das Stück mit Anna Netrebko in der Hauptrolle auf der Waldbühne aufzuführen“, gestand Hermanns.



