Nach 17 Jahren enger Zusammenarbeit mit dem Gitarristen und Produzenten Heiner Lürig, der auch die Musik für Hits wie „Dein ist mein ganzes Herz“ oder „Mit Leib und Seele“ komponiert hat, startet Heinz Rudolf Kunze jetzt – unterstützt durch eine jüngere Musikergeneration – mit viel Elan in einen neuen Karriereabschnitt. Es sei „keine leichte Entscheidung gewesen“ konstatiert Deutschlands Rockliterat, „aber wenn man Mitte 40 ist, dann kommt einem irgendwann der Gedanke, dass man nur ein Leben hat und vielleicht doch noch mal etwas Neues ausprobieren sollte“. Die Frischzellenkur hat ihm hörbar gut getan: Kunze klingt auf „Rückenwind“ so kraftvoll und inspiriert wie lange nicht mehr und ist vom Resultat begeistert: „Man hört dem Album an, dass hier Musiker am Werk waren, die nicht mit den Kinks oder den Who aufgewachsen sind, sondern mit U2 und R.E.M.“
Schwer beeindruckt zeigt sich der 1956 geborene Sänger auch von seinem neuen Produzenten Franz Plasa (Selig, Echt, Fury in the Slaughterhouse): „Franz weiß genau, was er will, er hat eine eigene Handschrift. Wenn man sich auf ihn einlässt, muss man ihn ganz nehmen und bereit sein, auch mal neue Dinge zu erleben.“ Anders – so Kunze – könne man mit Plasa nicht arbeiten. Obwohl der eigentlich ein leiser Mensch sei, habe er „eine donnernde Präsenz im Studio. Franz diskutiert nicht – ein Blick reicht, und seine Musiker verstehen, was er will. Das war manchmal telepathisch, geradezu magisch.“ Trotz Plasas straffer Führung klingt „Rückenwind“ klar nach Kunze – und das ist für den Künstler auch kein Wunder: „Irgendwie bin ich jemand, der ununterdrückbar ist.“
Gefreut hat er sich über die Art, wie die neuen Co-Autoren, allen voran Gitarrist Niels Frevert von der Nationalgalerie, auf seine Texte reagiert haben: „Niels ist da eins zu eins rangegangen und hat keine Zeile geändert – das war früher nicht immer so“, betont der Mann aus Hannover, der in den Hamburger Home Studios bei den Aufnahmen zu „Rückenwind“ neue Energien mobilisieren und gleichzeitig sein stilistisches Spektrum erweitern konnte. Dass er nach wie vor etwas zu sagen hat, stellt er nicht nur mit seinen wie immer wortgewandten Texten unter Beweis, sondern auch mit seinem selbstbewussten Kommentar zur Superstar-Show von RTL: „Ich verstehe die ganze Suche nicht – es gibt doch mich.“




