Für Mariza, seit ihrem ersten Longplayer „Fado Em Mim“ (2001) Portugals Fado-Exportschlager Nummer eins, bedeutet das Album „Transparente“ Heimkehr und Aufbruch zugleich: Der Entschluss, ihr neues Werk in Brasilien zusammen mit Jacques Morelenbaum, einem Großmeister brasilianischer Musik, zu produzieren, brachte sie in das Land zurück, in dem sie in den 90er-Jahren ihre ersten musikalischen Gehversuche unternahm.
Allerdings war es bisher nicht üblich, Fado-Alben außerhalb von Portugal aufzunehmen. Diese Abkehr von der Tradition kommt im Fall von Marizas neuer CD einem mutigen Aufbruch gleich, auch wenn sich die zierliche Portugiesin diese Entscheidung reiflich überlegte.
Ab mit alten Fado-Zöpfen
„Wenn man an Fado denkt, denkt man ja nicht an Brasilien, sondern immer an Portugal. Ich interessiere mich sehr für die Geschichte des Fado, forsche viel und bin dabei, ein Buch darüber zu schreiben. Ich wusste aber, dass der Fado auch Wurzeln in Brasilien hat. Insofern war es durchaus logisch, das Album dort aufzunehmen.“
Schon mit ihrer erste Platte, „Fado Em Mim“, hatte Mariza die starren Regeln eines rein traditionellen Fado-Bewusstseins aufgebrochen – und diesen Weg ging sie mit dem Nachfolger, „Fado Curvo“ 2003 unerschrocken weiter. Der überragende Erfolg gibt ihr Recht und ließ puristische Kritiker nach und nach verstimmen.
Doch das neue Album, „Transparente“, dürfte bei den „Gralshütern der reinen Fado-Lehre“ wieder für Aufruhr sorgen, denn Mariza wagt sich noch viel weiter vor als bisher und sprengt die engen stilistischen Grenzen des Genres.
Weg mit der Tristesse
Nicht nur, dass sie bei einigen Liedern die traditionelle Begleitung durch grandiose Orchester-Arrangements ersetzt, dass sie im wunderbar federleichten Titelsong ein intimes Zwiegespräch mit einer Querflöte hält – vor allem die leichtfüßigen und beschwingten Lieder wie zum Beispiel „Ha Palavras Que Nos Beijam“ haben fast nichts mehr mit Tristesse und Saudade zu tun, der typischen portugiesischen Fado-Tristesse.
„Der Fado hat viel mehr Emotionen zu bieten. Es ist eine ungerechtfertigte Einschränkung, diese Musik nur auf die Traurigkeit zu reduzieren“, meint Mariza. Allein der Mut der Portugiesin ist schon bewundernswert, aber ihre künstlerische Klasse – gepaart mit Feinfühligkeit und Vielfalt der Mittel – macht ihre neue CD zum Meisterwerk. Ihre anfänglichen Selbstzweifel hat die Portugiesin schließlich zu Recht ad acta gelegt.
„Letztlich habe ich mir keine Gedanken mehr darüber gemacht. Das Einzige, was mich wirklich beschäftigte, war, gute Musik zu machen. Und ich wusste, dass Jacques Morelenbaum mir sehr helfen würde. Das brachte mich zu der Überzeugung, dass es der richtige Schritt war.“


