Als Pit „Transistor Kid“ Baumgartner 1997 den ersten Longplayer von De Phazz, „Detunized Gravity„, veröffentlichte, war die Überraschung perfekt. Eine eingängige Melange aus Elektro-Pop, TripHop und Drum&Bass mit hintergründigen Texten – und das aus Deutschland: Das hatte es bis dahin noch nicht gegeben.
Mit den Alben „Godsdog„, „Death By Chocolate“ und „Daily Lama“ vollzog sich dann eine Wandlung hin zur Lounge-Szene; die spielerische Qualität des De-Phazz-Materials blieb jedoch auf hohem Niveau.
Viele Höhepunkte, keine Konstanten
Mit „Natural Fake“ legt die Band aus Süddeutschland nun eine famose neue CD vor. In der Musik von De Phazz gibt es trotz musikalischer Richtungswechsel und zeitgemäßer Neuorientierungen eine offensichtlich nicht zu erschütternde Konstante: Nichts ist so, wie der Hörer es nach dem ersten Eindruck erwartet.
Pit Baumgartner empfindet das nicht als ungewöhnlich: „Die Dinge sind nicht so, wie sie zu sein scheinen, hat einmal ein kluger Mann gesagt. Wir kokettieren mit diesem doppelten Boden. Ich liebe es, über mich selbst zu lachen. Ich suche immer Distanz zu meiner Arbeit, um mich bei Gelegenheit auch darüber lustig zu machen. Ich finde, das ist ein wichtiger Charakterzug.“
Stimmstarke Truppe
Die Songkollektion speist sich aus dem spielerisch leichten Umgang mit allerlei musikalischen Ingredienzien aus Soul, Latin, Pop, Blues, Jazz und Chanson, aus mitunter ziemlich skurrilen Textideen, akribisch ausgefeilten, aber niemals überfrachteten Arrangements und nicht zuletzt dem geschickten Einsatz der menschlichen Stimme – De Phazz verfügen über die drei vielseitigen Vokalisten Pat Appleton, Karl Frierson und Barbara Lahr.
So gleicht „Natural Fake“ einer oft amüsanten musikalischen Entdeckungsreise, bei der kaum zu ahnen ist, was gleich an der ersten Ecke passiert und in welche Richtungen dies führen wird. „Wir sind gern unberechenbar“, erklärt Pit Baumgartner.
„Ich finde das für uns und hoffentlich auch für unsere Hörer kurzweilig. Es ist eine Art Gehirngymnastik, und die findet man auch bei unseren Wortspielen. Zum Beispiel der Titel „Natural Fake“: Das ist griffig zusammengeschweißt, aber es beschreibt im Grunde zwei entgegengesetzte Pole. Heraus kommt eine geistige Fitness, die man sich bewahrt, wenn man Dinge einfach mal umdreht oder in einem anderen Kontext sieht und dann merkt, dass sie auch etwas anderes darstellen könnten.“


