Musik

Harte Zeiten für Antikriegs-Songs in den USA

Musikalische Kriegsgegner kommen mit ihren Songs im Kampf gegen den Irakkrieg langsam zum Stillstand. Grund: Die US-Radiostationen stellen sich beim Abspielen der Stücke quer.

“Der einzige Protestsong, der überhaupt so etwas wie nennenswerte Verbreitung im Hörfunk erreichte, war das Stück der Beastie Boys“, bemerkte Sean Ross von der „Billboard“-Publikation „Airplay Monitor“ gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Der Titel „In A World Gone Mad“ lief vor Ausbruch des Krieges noch rund 400mal pro Woche bei US-Radiosendern – seit Kriegsbeginn nur noch 100mal und damit exorbitant seltener als sonstige Singles der Band.

Fast gar nicht vor kommt auf den Playlists der Song „Final Straw“ von R.E.M. „Gott sei Dank gibt es das Internet“, kommentierte Bassist Mike Mills. „Wir kämpfen gegen eine kulturelle Gleichschaltung, die es praktisch unmöglich macht, einen Protestsong in den Äther zu bekommen“, so Mills. Ähnlich ergeht es John Mellencamps Anti-Bush-Song „To Washington“. Mellencamp erinnerte in einem Statement an die Zeit des Vietnamkriegs, als im US-Radio durchaus Antikriegsstücke wie „War“ von Edwin Starr oder „Fortunate Son“ von Creedence Clearwater Revival gespielt wurden. „Die Radiosender wählten diese Songs aus, weil das Publikum sie hören wollte. Heute gibt es viele dieser großen Radiosenderketten, die es sich gar nicht leisten können, bei irgendjemand Anstoß zu erregen“, erklärt der Rockmusiker.

Die Country-Stationen, die vor kurzem die Dixie Chicks wegen Bush-kritischen Äußerungen vielfach boykottierten, sind derweil ein Forum für musikalische Stellungnahmen, die den Irakkrieg unterstützen. So ist der Song „Have You Forgotten“ von Darryl Worley, ein Echo auf Bushs Vergeltungsforderungen nach dem 11. September, Nummer eins der Country-Singles-Charts dank über 6000 Radio-Einsätzen pro Woche. Ebenfalls starkes Airplay erfährt der vom „Hollywood Reporter“ als „blutrünstig“ eingestufte Song „I Raq And I Roll“ von Clint Black.