Musik

HAMM-Händler erhalten erstmals Vergütung für Verkaufsdaten: Neuer Charts-Vertrag wirft Fragen auf

Der Handelsverband Musik und Medien e.V. (HAMM) schloss zum 1. Juli einen langfristigen Rahmenvertrag mit Media Control ab. Nach dieser exklusiven Vereinbarung erhalten die Verbandsmitglieder für die Lieferung von Abverkaufsdaten zur Charts-Ermittlung Leistungen in nicht genannter Höhe.

“Damit erhalten Händler hierzulande zum ersten Mal eine Vergütung für ihre Daten“, erklärt HAMM-Geschäftsführerin Nina Krogmann. „Internationale Handelsverbände wie die amerikanische NARM oder der britische BARD haben diesen Kampf bereits vor langer Zeit gefochten. Und teils hat es Jahre gedauert, bis sie eine Vergütung durchboxen konnten.“

Die Abrechnung soll laut Krogmann von der Menge der Abverkaufsdaten abhängen; Händler mit hohen Absatzzahlen erhalten demnach höhere Zahlungen. Bei der Vereinbarung handelt es sich um eine Zweck-exklusive Regelung für Verkaufszahlen von CDs, Videos, DVDs und Games: Demnach erhält Media Control das alleinige Recht, aus den Daten der Händler Verkaufs-Charts zu erstellen.

Ulrike Altig, Geschäftsführerin Media Control, erläutert: „Media Control hat schon seit vielen Jahren Verträge mit den wichtigen Handelspartnern. Durch die tägliche Datenlieferung der angeschlossenen Verkaufsstätten entstehen zwangsläufig Kosten wie zum Beispiel durch Datentransfer oder Datenüberwachung, die selbstverständlich nicht beim Händler auflaufen dürfen.“ Darüber hinaus habe Media Control weitere Vereinbarungen mit anderen Medienpartnern: „Media Control ist seit über 20 Jahren der einzige offizielle Charts-Ermittler in Deutschland und hat sich eine wichtige Vertrauensposition erarbeitet. Für die Händler steht Media Control für unbestechliche Charts sowie für tägliches Ranking als Orientierungshilfe für den Markt. Durch den Rahmenvertrag wird das seit vielen Jahren bestehende Vertrauensverhältnis zwischen Handel und Media Control untermauert. Daraus resultiert, dass nur Media Control exklusiv diese Daten der Tonträgerindustrie zur Verfügung stellen kann.“

Industriekreise zeigten sich dagegen überrascht vom Vertragsabschluss. Offenbar wurde der gemeinsame Charts- und Marketingausschuss des Bundesverband Phono nicht informiert. Bundesverbands-Geschäftsführer Dr. Martin Schaefer erklärte dennoch: „Wir haben keinen Anlass, eine bilaterale Vereinbarung zwischen Media Control und HAMM zu kommentieren. Die Vereinbarung geht ja über die Datenlieferung für die Ermittlung von Musik-Charts offenbar weit hinaus. Der Bundesverband, als Auftraggeber und Investor der Musik-Charts, vergütet eine Datenlieferung stets durch den Rückfluss von exklusiven Auswertungen, nicht durch monetäre Leistungen. Hieran ändert sich nichts.“

Von der Zweck-Exklusivität der neuen Regelung könnten zudem die von der GfK erstellten Charts im Bereich Musikvideos auf VHS und DVD betroffen sein. Andreas Blanz, als Division Manager Panel Services bei der GfK zuständig für den Bereich Medien, wollte dies allerdings nicht kommentieren. Die von der GfK im Rahmen des Handelspanels ausgewerteten Daten scheinen dagegen von der neuen Regelung zunächst nicht betroffen zu sein.

Fraglich bleibt, ob der HAMM für diese Daten nicht künftig eine vergleichbare Vergütung anstrebt. Auf die Meldungen von Händlern, die nicht Mitglied des HAMM sind, hat der Exklusivvertrag keine Auswirkungen. So fließen zum Beispiel die Daten von MediaMarkt und Saturn – die gemeinsam einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent erzielen – wie gehabt in die Charts ein. Media-Saturn-Sprecherin Janina Knab konnte keine Auskunft geben, ob die Ingolstädter eine vergleichbare Regelung mit Media Control anstreben. Der HAMM repräsentiert nach Auskunft von Krogmann einen Marktanteil von 55 Prozent. Viele andere Händler, darunter die expert-Gruppe und Klubgeschäfte, melden keine Abverkaufszahlen an Media Control.