Musik

Halbjahresbericht des Bundesverband Phono: Branche rutscht zweistellig ins Minus

Während die Tonträgermärkte in Großbritannien und Frankreich Zuwächse vermelden können, wartet der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft auf der Popkomm. mit schlechten Ergebnissen auf. Nie zuvor war das Minus so deutlich, die Krise der deutschen Musikbranche so sichtbar.

Laut Verbandsgeschäftsführer Peter Zombik hat dieser „deutliche“ Rückwärtstrend eine „zentrale Ursache“: der „dramatische Anstieg des CD-Brennens“. Statt 121,8 Millionen Tonträger wie im ersten Halbjahr 2000 konnten die im Bundesverband vertretenen Firmen in den ersten beiden Quartalen 2001 nur 108,7 Millionen Einheiten absetzen. Das entspricht einem Minus von 10,8 Prozent.

Zur Einordnung: Im verzeichnete die Branche noch ein Plus von 3,5 Prozent. Umsatzzahlen für die Monate Januar bis einschließlich Juni nannte der Verband keine, jedoch verwies Zombik auf einen prozentualen Rückgang von 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Zu den 20 erfolgreichsten Longplay-Interpreten im ersten Halbjahr zählten mit No Angels (eins), Rammstein (drei), Peter Maffay (fünf), Westernhagen (acht), Modern Talking (17), Söhne Mannheims (18) und Michelle (20) auch wieder zahlreiche deutsche Acts. Somit konnten die Plattenfirmen den Anteil nationaler Produktionen an den Album-Charts ausbauen: Er stieg von 22,9 Prozent im ersten Halbjahr 2000 auf nunmehr 35,8 Prozent.

Gegenläufig ist allerdings der Trend bei den Singles-Charts: Statt 42,1 Prozent konnten in Deutschland produzierte Singles nur noch 39,1 Prozent der Charts für sich beanspruchen. Von den massiven Einbrüchen am stärksten betroffen waren die beiden Tonträgerformate, die den Markt beherrschen: CD-Alben und -Compilations sowie Singles.

Von den Longplayern konnte die Branche nur noch 74,6 Milionen Stück absetzen – ein Minus von 13,3 Prozent im Vergleich zu den 86,0 Millionen Einheiten aus dem ersten Halbjahr 2000. Der Rückgang rührt vor allem vom eklatanten Minus in den Segmenten Compilations (-17,3 Prozent) und Mid-Price-CDs (-23,1 Prozent).

Und die Singles, die fast ausschließlich als CDs auf den Markt kommen, brachen um 13,2 Prozent ein: Statt 26,5 Millionen Maxis (2000) konnten nur noch 23,0 Millionen Stück ausgeliefert werden. Da fallen die Zuwächse bei den anderen Formaten kaum ins Gewicht – die MusiCassette legte um 20,1 Prozent zu, und da speziell im Full-Price-Segment. Eine Rennaissance erlebt weiterhin das schon tot geglaubte Vinyl: Plus 16,7 Prozent bei den Vinyl-Maxis und plus 66,7 Prozent bei den LPs. Jedoch sind diese Werte angesichts der absoluten Absatzzahlen für die Marktentwicklung irrelevant. Auf der Suche nach den Gründen für die Misere bleiben immer noch zwei Faktoren im Fokus des Verbands: CD-Brennerei und Internet-Piraterie. Zwischen April 2000 und März 2001 wurden 133 Millionen bespielbare CDs für Musik genutzt. Das geht aus einer hevor, auf die sich der Bundesverband stützt. Demnach deutlich mehr, als die gesamte Branche in einem halben Jahr an bespielter Ware verkaufen kann. Und von den 13,7 Millionen Deutschen, die einen CD-Brenner nutzen, gaben dann auch 14,6 Prozent an, deshalb weniger Tonträger gekauft zu haben.

Zudem gehen der Verband und GfK davon aus, dass im untersuchten Zeitraum rund 316 Millionen Songs aus dem Internet heruntergeladen wurden. Um die wegbrechenden Absätze mittelfristig auffangen zu können, wollen sich die Plattenfirmen nun mit dem verstärkten Einsatz von bei CDs wappnen (musikwoche.de berichtete in den Heften 29, 30 und 32).

„Die unkontrollierte Vervielfältigung von CD auf CD stellt uns heute vor eine größere Herausforderung, als die gesamte Piraterie“, erklärte Peter Zombik, der nun die Bundesregierung auffordert, „dem offensichtlichen Raubbau im Interesse der Musiker und der Musikwirtschaft Einhalt zu gebieten. Die anstehende Umsetzung der EU-Richtlinie zum Urheberrecht bietet dafür die Gelegenheit. Digitales Kopieren muss kontrollierbar werden.‘