Der Komponist György Ligeti starb am 12. Juni im Alter von 83 Jahren in einem Wiener Krankenhaus. Er erlag einer schweren Krankheit.
Geboren am 28. Mai 1923, entkam er 1941 nur knapp dem Arbeitsdienst in der ungarischen Armee. Sein Vater und Bruder starben im Konzentrationslager. Ligeti studierte in Budapest Musik und war anschließend Dozent an der Musikhochschule. Nach dem Aufstand 1956 floh er nach Österreich und arbeitete zunächst als freier Mitarbeiter des Studios für elektronische Musik des WDR Köln. Derart geprägt, verteidigte er stets die geistige Freiheit seiner Werke. Er löste sich von traditionellen Kompositionsmethoden und suchte nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, zu denen er sich auch interdisziplinär von der Biochemie, der Chaosforschung und der fraktalen Geometrie inspirieren ließ.
Seit dem Orchesterwerk „Atmosphères“ (1961) gehörte er zu den führenden Komponisten der europäischen Avantgarde. Sein Konzept der Mikropolyphonie beschrieb er „als ein so dichtes Gewebe, dass die Einzelstimmen unhörbar werden und nur die resultierenden ineinander fließenden Harmonien als Gestalt wirken“. Eine gegensätzliche musikalische Struktur verfolgte er in den 70er Jahren und wurde dem Publikum wieder zugänglicher. Sein Hauptwerk aus dieser Zeit ist die Oper „Le Grand Macabre“.
In den 80er und 90er Jahren entwickelte Ligeti eine neue Konzeption der Harmonik und Rhythmik: Afrikanische Trommelmusik ist ein Grundstein seiner polyrhythmischen Kompositionstechniken, die den drei Sammlungen seiner „Études pour piano“ zugrunde liegt, einem der wichtigsten Klavierwerk des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Das preisgekrönte „Ligeti Project“, das in fünf Ausgaben bei Warner Classics erschien, umfasst das gesamte Werk des ungarisch-österreichischen Komponisten in Neueinspielungen, die der Maestro noch selbst überwacht hat.



