Musik

Gundula Walter über Freud und Neid in der Volksmusik

Am 2. März ist Einsendeschluss für die Vorausscheidung zum Grand Prix der Volksmusik 2002. musikwoche.de sprach mit Gundula Walter, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der musikalischen Unterhaltungskultur, über Modus, Chancen und Trends beim Mega-Event des Genres.

musikwoche.de: Wie entwickelten sich die Teilnehmerzahlen in den letzten fünf Jahren?

Gundula Walter: Der Grand Prix der Volksmusik erfährt nach wie vor ein außergewöhnlich starkes Interesse bei Komponisten und Textdichtern; je erfolgreicher die Siegerlieder sind, umso stärker ist die Beteiligung der Autoren. 2001 waren es beispielsweise rund 1.750 Einsendungen.

mw: Zeigt sich anhand der Einsendungen ein Trend?

Walter: Ja, der Trend verläuft eindeutig in Richtung Schlager. Man kann sagen, dass sich der Schlager beim Grand Prix der Volksmusik richtiggehend etabliert hat. Auf der anderen Seite ist zu beobachten, dass Titel, die sich der konventionellen Richtung verpflichtet fühlen, auch Außenseiterchancen haben.

mw: Wie schätzen Sie das Qualitätsniveau der Einsendungen ein?

Walter: Natürlich ist wie bei allen Veranstaltungen dieser Art viel Material mit minderer Qualität dabei. Dennoch sind wir der Meinung, dass die Siegertitel der letzten Jahre deutlich Qualität erkennen lassen.

mw: Teilen Sie die Meinung, dass es dem Genre an kreativen Talenten mangelt?

Walter: Es ist schon richtig: Gute Lieder sind Mangelware. Gerade deswegen ist der Grand Prix der Volksmusik so wichtig, denn er fördert neue junge Talente. Dies scheint in der Tat unerlässlich zu sein, denn über ein Überangebot an kreativen Talenten kann sich die Volksmusik in allen vier Ländern wahrlich nicht beklagen.

mw: Warum kommen so viele Beiträge aus der Feder weniger Autoren?

Walter: Das Reglement des Grand Prix erlaubt Autoren, sich mit einer unbegrenzten Anzahl zu beteiligen. Wir sehen keinen Grund, eine zahlenmä- ßige Beschränkung vorzunehmen.

mw: Was sagen Sie zum Vorwurf, dass eine Lobby von Machern den Kuchen unter sich aufteilt?

Walter: Die Neidgenossenschaft hat auch von der Volksmusik Besitz ergriffen.

mw: Können sich die Teilnehmer denn einer fairen Behandlung sicher sein?

Walter: Die Experten der jeweiligen Jurys sind die beste Garantie für Chancengleichheit.

mw: Welche Personen sitzen in der deutschen Jury?

Walter: Die Experten Wolfram Brackhahn, Lutz Daum, Franz Föhrt, Walter Föhringer, Dirk Heihoff, Michael Jürgens, Peter Mandler, Birgit Salger, André Schlegel, Hartmut Schottler, Markus Spitzhorn und Michael Thürnau. Sie sind alle Redakteure der großen Sendeanstalten und somit absolute Kenner der Szene.

„Titel sollen breites Publikum erreichen“

mw: Gibt es objektive Beurteilungs-Kriterien?

Walter: Geschmack ist bekanntlich weder mit dem Meterstab noch mit der Waage zu messen. Die Fachleute der Jury nehmen sich regelmäßig vor, Titel zu wählen, von denen anzunehmen ist, das sie ein möglichst breites Publikum erreichen.

mw: Jeder eingereichte Titel kostet 80 Euro. Was passiert mit diesem Geld?

Walter: Die Arbeitsgemeinschaft ist ein Non-Profit-Unternehmen. Aus den Nenngeldern werden alle Kosten bestritten – vom Sekretariat bis zu den Notarkosten, Reise- und Aufenthaltskosten der Juroren, Druck- und Portokosten der Teilnahmebedingungen. Da fällt eine ganze Menge an.

mw: Welchen Tipp geben Sie jemanden, der zum ersten Mal am Wettbewerb teilnehmen möchte?

Walter: Er sollte sich einen guten Überblick über aktuelle Lieder verschaffen, die besonders gut beim Publikum ankommen. Dann sollte er seiner Phantasie freien Lauf lassen. Vorausgesetzt ist natürlich, dass er sein Handwerk beherrscht.

zur person Nach einer Zusammenarbeit mit Truck Branss wurde Gundula Walter in den 70er Jahren Unterhaltungsredakteurin beim ZDF. Über 20 Jahre verantwortete sie einige der größten und wichtigsten Shows und Musikshows: „Dalli Dalli“, Specials mit Mireille Mathieu, Vico Torriani, „Stars in der Manege“, „Superhitparade der Volksmusik“, „Lustige Musikanten“ und „Volkstümliche Hitparade im ZDF“. In den 90er Jahren bot Hans R. Beierlein ihr an, den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der musikalischen Unterhaltungskultur zu übernehmen. Die AG organisiert und veranstaltet bedeutende TV-Wettbewerbe wie den „Grand Prix der Volksmusik“, „Grand Prix des Schlagers“ und „Grand Prix der guten Laune“ oder „Winterwunderland“. Die Sendung „Grand Prix der Liebeslieder“ ist in Planung.