“Dass es im Augenblick gerade im HipHop-Bereich viel zu viel Produkt gibt, darin sind sich eigentlich alle einig“, erklärt Frank Stratmann, einer der beiden Geschäftsführer von Groove Attack. „Trotzdem will natürlich niemand einen Rückzieher machen, und das verstopft den Markt im Moment noch weiter.“ Mit dieser Einschätzung steht Stratmann, unter dessen Leitung Groove Attack in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten HipHop-Plattenfirmen und -vertriebe Europas avancierte, nicht alleine da.
Die 1992 gegründete Firma hat ihren Umsatz von 16 Millionen Mark im Jahr 1998 auf über 30 Millionen im Jahr 2000 gesteigert, und das in einem seit Jahren rückläufigen beziehungsweise stagnierenden Marktumfeld. Inzwischen gilt das Unternehmen, das neben diversen Großhändlern wöchentlich über 800 Spezialläden direkt beliefert, nicht nur bei einheimischen Labels als einer der wichtigsten Partner, wenn es darum geht, neue Künstler am Markt zu platzieren.
Zu den bekanntesten HipHop-Firmen im Vertrieb von Groove Attack zählen Eimsbush, Beatz aus der Bude, Beyond Real, Tommy Boy (Vinyl), Show Down (Vinyl), Buka Entertainment, Ill Boogie Phlatline, Sure Shot, Buback, Royal Bunker, Tal Records, Hong Kong, Raid, Upgrade, Rap.de, Landspeed, Headrush, Kjac sowie das eigene Label Superrappin, das mit Produktionen von Phife Dawg, J. Rawls, den Lone Catalysts und Declaime auch in den USA für Aufsehen sorgte. In den letzten Monaten gelang es der Firma erfolgreich, von ihr vertriebene Alben wie „Searching For The Jan Soul Rebels“ von Jan Delay oder „NLP“ von M.O.R. in den deutschen Charts zu platzieren.
Den größten Teil des Umsatzes macht die Firma nach wie vor mit Vinyl-Schallplatten, die in der HipHop-Szene einen außergewöhnlich hohen Stellenwert besitzen. „Den größten Vorteil von Groove Attack sehe ich bei der augenblicklichen Marktsituation darin, dass wir im Vergleich zu den meisten etablierten Major-Labels noch mannigfaltige Expansionsmöglichkeiten besitzen. Wir sind eben noch nicht in allen Märkten vertreten. In Nordamerika haben wir für unser Label Superrappin gerade mit K7 Records einen Vertriebsdeal abgeschlossen. In Japan haben wir inzwischen auch einen Partner gefunden, auch wenn viele Läden von uns dort noch immer direkt beliefert werden, und in England arbeiten wir bereits lange eng mit Pinnacle (Zomba) zusammen“, erklärt Stratmann.
In den Aufbau der US-Dependancen hat Groove Attack mehr als eine Million Mark investiert. Viel Geld für eine kleine Firma, mit dem Stratmann nach und nach auch auf dem amerikanischen Markt Fuß fassen will. Die nächsten Schwerpunkte für Groove Attack sind im Herbst ein Album von HipHop-Legende Biz Markie und die zweite Ausgabe der „Superrappin“-Compilation. „Solche Themen sind im Vergleich mit nationalen Produktionen weltweit natürlich ganz anders vermarktbar. In den USA haben wir vor kurzem einen Deal mit Caroline, dem Independent-Vertrieb von EMI Music, abgeschlossen, der uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Das Beste an dem Vertrag ist, das wir je nach Größe des Künstlers zwischen Caroline und dem EMI-Hauptvertrieb wechseln können. Das neue Album von Biz Markie wird in den USA definitiv von EMI Music vertrieben. Für uns ist diese Konstellation ideal.
Im Grunde ist die ganze Sache so entstanden, wie die meisten Dinge, die wir in den letzten Jahren gemacht haben. Der Auslöser war die verstärkte Nachfrage von einigen HipHop-Künstlern, die für ihre Produktionen keine Plattenfirma finden konnten. Der ausschlaggebende Punkt ist, dass man auch in der Lage sein muss, sein Produkt entsprechend zu vermarkten. Wenn ein Label, das wir vertreiben, nicht die finanziellen Möglichkeiten hat, dann strecken wir die Produktionskosten schon mal vor.“
Eines der größten Probleme sieht Frank Stratmann im Augenblick in der Übersättigung des Marktes: „Eine gewisse Stagnation ist nicht von der Hand zu weisen. Das liegt an verschiedenen Faktoren. Es gibt einfach zu viele Platten, die niemand braucht. Eine richtige musikalische Entwicklung wie in den USA ist momentan in Deutschland nicht auszumachen. Viele Sachen klingen einfach zu ähnlich.‘


