Wie? 20 Jahre später gibt es immer noch Bedarf an programmatischen Erklärungen zu MTV? Nicht wirklich, oder? Denn im Endeffekt hat sich an der grundsätzlichen Philosophie von MTV seit 1981 nicht viel verändert. Es ging und geht immer um die Gratwanderung zwischen Anspruch und Beliebtheit: Popularität ist ein Muss. Qualität allerdings auch. In den verschiedensten, erlebten MTV-Phasen galt es stets, diesen Grat möglichst perfekt zu spiegeln. Ohne beim kleinsten gemeinsamen Nenner zu landen, der vor lauter Massenkompatibilität nur noch langweilt.
Gerade MTV-Zuschauer erwarten mehr: Unbequem, künstlerisch, anarchisch muss es sein. Innovativ sowieso. Respektlos und immer wieder mal gegen den Strom. Dabei nie überheblich oder in schwer nachvollziehbare Sphären abhebend. Erhobenen Zeigefinger der Geschmackspolizei werden strikt mit dem Mittelfinger beantwortet.
MTV ist home of the stars. Das Fenster zur internationalen Popwelt. Mit, nun ja, fast all seinen Spielarten. Denn: Was nicht zu uns passt, wird nicht gespielt. Punkt. Soviel Selbstbewusstsein muss sein. Und unsere Zuschauer honorieren das: MTV Central ist so erfolgreich wie nie zuvor. Nie hatten wir mehr Zuschauer.
Dabei hat das Jahr 2001 aus Programmsicht quasi erst begonnen. Nach der erfolgreichen Einführung unserer Musikdokus – „Making The Band“, „MTV Cribs“, „Road Home“ und andere – sowie Fiction-, Cartoon- und Anime-Serien wie „Golden Boy“, „Spygroove“ oder „2gether“ werden wir diesen Bereich ab September noch weiter ausbauen. Außerdem ab September auf MTV: die erste TV-Show von und mit Benjamin von Stuckrad-Barre, sowie die bundesweit erste SMS-Show „Videoclash“. 2001 ist ein großartiges Jahr.
Am 8. November wird Frankfurt/Main gerockt. Die Europe Music Awards, die größte Award-Veranstaltung Europas, erreichen über 300 Millionen Haushalte weltwelt. Yep! 2001 ist ein großartiges Jahr. Überhaupt: Hurra! Seit Mai gibt es täglich 48 Stunden MTV! Wir haben unseren neuen Schwestersender MTV2 Pop. Den missing link, mit dessen Hilfe MTV jetzt das komplette Spektrum jugendrelevanter Musik abdeckt. Von den Medien noch kritisch beäugt, waren die Zuschauer sehr schnell mit im „Pop“-Boot. Der Erfolg überrascht uns selbst: Innerhalb von zwei Monaten konnten wir, im Vergleich zum Vorgänger VH-1, die Zuschauerzahl verzehnfachen.
Holla! Offensichtlich war unsere Strategie die richtige – poppig, farbenfroh, jung, fröhlich, hip. Populär im besten Sinne des Wortes. Mit ganz bewusst wenigen Wortstrecken. Wobei, ganz klar: MTV2 Pop ist noch in der Aufbauphase. Die jetzt dort anlaufenden ODC, die Official Dance Charts, in Kooperation mit Media Control und dem deutschen Phonoverband, sind der nächste Kick. Und auf den übernächsten muss nicht lange gewartet werden. Versprochen! Eine ebenso passende wie spannende Kooperation bahnt sich gerade an. Aber was erzähle ich hier? Schaut einfach mal rein! Oder um es mit Elvis Costello zu sagen: „Writing about music is like dancing about architecture.“ In diesem Sinne: Stay tuned!


