Im Alter von nur 48 Jahren ist am 6. Mai völlig überraschend Grant McLennan, Sänger, Songschreiber und Gitarrist bei den Go-Betweens, in seiner Heimatstadt Brisbane im Schlaf gestorben.
Der am 12. Februar 1958 in Rockhampton, Queensland, geborene Grant McLennan lernte als Student in Brisbane Robert Forster kennen, mit dem er Ende der 70er-Jahre die Go-Betweens gründete. McLennan und Forster teilten sich Songwriting und Leadgesang auf und verbanden in ihren wegweisenden Alben der 80er-Jahre Einflüsse aus Punk und New Wave mit Sixties-Pop und Folk. 1981 erschien ihr Debütalbum „Send Me A Lullaby“. Weitere Longplayer der australischen Band wie „Before Hollywood“,„Liberty Belle And The Black Diamond Express“ oder „16 Lovers Lane“zählten zu den besten und einflussreichsten Indiepop-Platten der Dekade. „Cattle And Cane“, einen der bekanntesten Songs aus McLennans Feder, wählte die Australian Performing Rights Association unter die zehn größten australischen Songs aller Zeiten. Trotz weltweiter Anerkennung bei Kritikern, Musikerkollegen und einer treuen Fangemeinde blieb den Go-Betweens der große kommerzielle Durchbruch verwehrt. 1989 trennte sich die Band.
McLennan veröffentlichte anschließend vier Soloalben, tat sich mit Steve Kilby von The Church zum Duo Jack Frost zusammen und agierte in der Band The Far Out Corporation an der Seite von Ian Haug (Powderfinger). Zur Jahrtausendwende reformierten McLennan und Forster die Go-Betweens. Drei weitere Alben entstanden, mit denen die Band neben Kritikerlob und Fanbegeisterung auch Charts-Meriten in den MusikWoche Top 100 Longplay erwarb. So brachte es „Bright Yellow Bright Orange“ 2003 auf Rang 41, „Oceans Apart“ kam 2005 auf Platz 34. Anfang dieses Jahres erschien mit „That Striped Sunlight Sound“ die erste DVD der Go-Betweens mit einer Live-CD als Beigabe.
Der plötzliche Tod des sensiblen Songpoeten McLennan hat auch bei seinen Freunden und Partnern aus der deutschen Musikbranche große Bestürzung ausgelöst. So konstatiert Berthold Seliger, der in den letzten Jahren mehrere Tourneen der Go-Betweens durch Deutschland, Österreich und die Schweiz veranstaltete: „Grant McLennan war ein herausragender Musiker und Songwriter, aber er war auch ein extrem vielseitig interessierter Mensch, dessen Horizont weit über die Musik hinausging. Ich erinnere unseren gemeinsamen Besuch in der Magritte-Ausstellung in Basel vor der abendlichen Show – dies war nun das letzte Mal dass wir uns gesehen haben. Grant McLennan war vor allem ein ungeheuer sympathischer, generöser und freundlicher Mensch – jemand, den man sofort ins Herz schloss. Grant McLennan wurde nur 48 Jahre alt. Wir sind schockiert, erschüttert und unsagbar traurig. Unser Mitgefühl gilt seiner Freundin, seiner Familie und seinen Bandkollegen.“
Simone Dubberke und Quintus Kannegiesser von der Plattenfirma BB*Island, die den Backkatalog der Go-Betweens mit vielfältigem Bonusmaterial wiederveröffentlichte, äußern sich in einem gemeinsamen Statement ähnlich betroffen: „Wir sind zutiefst erschüttert. Von uns und all denen, die ihn kannten, wird er schmerzhaft vermisst werden.“
Maik Brüggemeyer, Redakteur des deutschen „Rolling Stone“ und ausgewiesener Go-Betweens-Kenner, bemerkt über den Verstorbenen: „Ein kleiner, kluger, warmherziger Mann und ein großer Künstler, dessen Songs Teil meines Lebens geworden sind. Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie es sein wird, über Musik zu schreiben und zu wissen, dass es nie wieder neue Songs von ihm geben wird, dass er nicht mehr da ist. Ich werde ihn vermissen.“



