Musik

Gomez: Rückbesinnung auf das Wesentliche

Nach ihrem experimentellen Album „In Our Gun“ überraschen Gomez auf ihrem vierten Longplayer, „Split The Difference“ (Hut/Virgin), mit geradlinigen Rocksongs. Doch was bedeutet schon geradlinig bei einer Band wie Gomez, deren Sound zu kategorisieren jedem Kritiker schwer fällt.

Produzent Tchad Blake ist es gelungen, die einzigartige Atmosphäre der Livekonzerte auch im Studio einzufangen. Dabei fiel es der Gruppe bisher schwer, die Hemmungslosigkeit ihrer Auftritte auf Platte zu reproduzieren, da sich Gomez, nie auf einen bestimmten Stil festlegen ließen. Gomez zählten neben Phish und String Cheese Incident zu den beliebtesten Vertretern der amerikanischen Jam-Band-Szene, obwohl sich die fünf Musiker diesen Gruppen nie wirklich verbunden fühlten. Aber die Vergleiche brachten ihnen in den USA wenigstens ein großes Publikum ein.

Kein Wunder also, dass die meisten Songs des Albums „Split The Difference“ auf Tour entstanden und gleich vor Publikum ausprobiert wurden. „Deshalb klingt das neue Album so frisch und energiegeladen. Während die Songs beim letzten Mal eher introvertiert rüberkamen, sind sie diesmal das genaue Gegenteil“, erzählt Gitarrist und Sänger Ben Ottewell. Im bandeigenen Studio nahe Brighton spielten Gomez die Rohfassung des Albums ohne Tontechniker und Produzent ein, bevor sie sich mit dem neuen Material in die Real-World-Studios und in die Obhut von Tchad Blake (Travis, Tom Waits, Peter Gabriel) begaben. „Unser Studio ist mehr oder weniger eine Rumpelkammer, die zu einer alten Lagerhalle gehört“, erzählt Ottewell. Nur die Basis-Tracks seien dort entstanden. „Aber um sie besser klingen zu lassen, sind wir nach Real World gegangen.“

Ottewell lobt die Art, wie Tchad Blake die Songs mixte. „Er arbeitet schnell und hat keine Lust auf ewige Wiederholungen. Außerdem ist er ein Spezialist für Mixe, die nicht perfekt ausbalanciert sind, sondern hier und da ein wenig ungeschliffen klingen und gerade deshalb Charme besitzen.“ Zwar finde die Band ihr Album, „In Our Gun“ nach wie vor gut, „aber es klang nicht wie wir“, sagt Ottewell. „Tchad Blake hat es geschafft, dass Gomez wieder wie Gomez klingen.“ Man besinnt sich also auf die Anfänge, als sie für die Songs ihres Debüts „Bring It On“ Demoversionen nutzten. Mit „Split The Difference“ klingen Gomez wieder einfacher, dafür aber umso eingängiger.