Musik

Goldfinger: Kritische Töne im harten Sound-Gewand

Bekannt wurde die Formation Goldfinger mit druckvollen Ska-Punk-Nummern. Auf dem neuen Album, „Open Your Eyes“ (Mojo/Jive/Zomba), präsentiert das Quartett aus Kalifornien nun energischen Rock mit ernsten Texten.

Was nützt das beste Album, wenn die Plattenfirma kurz vor der Pleite steht? Mit dieser wenig ermutigenden Situation sah sich die Punkrock-Formation Goldfinger konfrontiert, die ihre Alben jahrelang auf dem amerikanischen Label Mojo, bekannt durch Veröffentlichungen von Bands wie Reel Big Fish und Cherry Poppin Daddies, herausbrachte. Rettung kam in letzter Minute: Zomba kaufte die angeschlagene Company. „Jetzt setzen wir große Hoffnungen auf die Firma, denn sie verfügt über viel bessere Verbindungen als Mojo“, sagt John Feldmann. Der Sänger des Quartetts ist ein alter Hase im Geschäft. 1992 debütierte er mit einem Album der Crossover-Formation Electric Love Hogs – ohne Erfolg. Also musste er einen Job als Schuhverkäufer in Venice annehmen. „Ich habe diese Arbeit gehasst, doch immerhin half sie mir, einen neuen Plattenvertrag zu bekommen. Eines Tages kam ein A&R-Mann und kaufte ein paar Schuhe. Da steckte ich unser Demo in den Schuhkarton, er spielte es seinem Chef vor, und zwei Wochen später unterschrieben wir den Vertrag.“

Mit ihrem ersten, gleichnamigen Album von 1996 bewies die Band Goldfinger ein gutes Händchen: Es erhielt Gold in den USA. Der Nachfolger „Hang-Ups“ (1997) verkaufte immerhin noch 250.000 Kopien. Für „Stomping Ground“(2000) ließ sich das Quartett etwas Besonderes einfallen: Es coverte Nenas Welthit „99 Red Balloons“. Jetzt erscheint mit „Open Your Eyes“ (Bestellnummer: 792.7002.2) das vierte Studioalbum von Goldfinger. Es lässt den lustigen Ska-Sound der Anfangstage hinter sich und setzt auf eine härtere Punkrock-Gangart, der Titelsong marschiert sogar in die Metal-Richtung. Inhaltlich schlägt Songschreiber John Feldmann ein paar ernste Töne an und kritisiert die Verflachung der populären Musik. In Sachen Marketing erwies sich die Band als ausgesprochen geschickt. So tauchten ihre Titel in zahlreichen Hollywood-Blockbustern auf, darunter in „American Pie“, „Superman“ und „Verrückt nach Mary“. Außerdem komponierte sie die Musik zum Videospiel vom Skateboard-Champion Tony Hawk, laut Feldmann „das bestverkaufte Videogame aller Zeiten“. Zomba unterstützt die Veröffentlichung des Albums mit einer breit angelegten Kampagne, die neben Anzeigen in allen wichtigen Musikzeitschriften sowie umfangreiche Radio- und Club-Promotion auch eine Kooperation mit dem Internetmusikdienst mp3.com beinhaltet.