Musik

„Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut“

„Rolling Stone“, „Hammer“, „Musikexpress“: Moritz von Laffert – Herr über einige der wichtigsten Musikmagazine Deutschlands – im Gespräch.

“ Die Übernahme des deutschen „Rolling Stone“ sorgte im Herbst 2002 für Aufsehen. Bewährt es sich denn, zwei Zeitschriften wie „Rolling Stone“ und „Musikexpress“ unter einem Dach zu haben?

Moritz von Laffert: Für die redaktionelle Arbeit ist es nicht ganz so entscheidend, da die Redaktionen von „Musikexpress“, „Rolling Stone“ und „Hammer“ unabhängig voneinander arbeiten. Jeder Chefredakteur macht, im Rahmen der Positionierung, das Beste aus seiner Zeitschrift. Entscheidend ist eher, dass wir mit den beiden größten Musik-Generalisten und dem führenden Magazin für härtere Musik nun über eine kritische Masse in der Branche verfügen.

“ Wo liegen Vor-, wo Nachteile?

„Rolling Stone“ ist eines der renommiertesten und respektiertesten Musikmagazine weltweit und teilt sich mit dem „Musikexpress“ seit jeher den Führungsanspruch. Das Kopf-an-Kopf-Rennen und das Ringen um die besten Interviews, Fotos und Texte findet nun eben nicht im Markt statt, sondern im selben Haus. Das spart Energie, die wir in die Hefte stecken. Die Magazine positionieren wir nun konsequent ihren jeweiligen Stärken entsprechend. Unseren Anzeigenkunden können wir interessante Kombinationen anbieten, mit denen bei nur einer Schaltung gleich ein Großteil der Gesamtleserschaft im Segment der Musikzeitschriften abgedeckt wird. Verlegerisch und vertrieblich konnten wir beim „Rolling Stone“ natürlich auch das eine oder andere optimieren.

“ Lassen sich die beiden Zeitschriften denn so leicht voneinander abgrenzen?

„Musikexpress“ ist der Generalist, der sich mit hohem journalistischen Anspruch auf junge, ernstzunehmende Musik fokussiert und großen Wert auf Service legt. „Rolling Stone“ ist im besten Sinne erwachsener positioniert. Er ist zeitlos in der Auswahl der Acts – Qualität und Relevanz entscheidet. Zudem kommentiert er gesellschafts- und kulturpolitische Themen, die über Musik hinaus gehen.

“ Wie wirken sich die derzeitigen Probleme der Musikbranche auf Ihr Tagesgeschäft aus?

Der Verkauf unserer Zeitschriften leidet überhaupt nicht unter der Situation. Im Gegenteil, wir konnten die Auflagen teilweise sogar erfreulich steigern – was klar ist, denn das Interesse an Musik an sich ist ja nicht gesunken. Aber natürlich spüren wir zunehmend Zurückhaltung im Anzeigengeschäft mit der Tonträgerbranche. Teilweise werden Zugeständnisse an redaktionelle Berichterstattung erwartet, die wir als unabhängige Magazine einfach nicht bieten können. Glaubwürdigkeit für die Leser ist das höchste Gut und geht Hand in Hand mit dem Nutzen für unsere Anzeigenkunden.

“ Kürzlich haben Sie in Berlin die Initiative SpeakMusic veranstaltet. Sind Sie mit der bisherigen Resonanz zufrieden?

Wir können uns wirklich nicht beklagen. In unserer Web-Community haben sich bereits knapp 500 Branchenvertreter akkreditiert. Die Diskussion im Berliner Journalistenclub, an der unter anderem EMI-Chef Udo Lange teilnahm, war besonders spannend, weil die differenzierten Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen Markenartiklern und Musikbranche von allen Seiten intensiv beleuchtet werden konnten.

“ Welche Berührungspunkte sehen Sie eigentlich zwischen Fach- und Publikumspresse?

Als Publikumspresse müssen wir die Fachpresse als Partner verstehen. Auch wir sind auf die Informationen – zuum Beispiel aus der Musikwoche- regelmäßig angewiesen. Dass aus einem partnerschaftlichen Verhältnis auch weitere Berührungspunkte entstehen können, ist nicht ungewöhnlich. So sitzt unser „Musikexpress“-Chefredakteur Christian Stolberg bei musikwoche im redaktionellen Beirat.