Musik

Gespräch mit dem Programmchef von bigFM: Erfolg abseits des Formats

Gegen die Meinung der Musikindustrie, das Radio habe neue Musik längst abgeschrieben, tritt der Privatsender bigFM an. Bei der erfolgreichen Umsetzung des Programms hilft ein spezielles Analyseverfahren, an dessen Nutzwert bigFM-Geschäftsführer und Programmdirektor Kristian Kropp die Plattenfirmen teilhaben lassen will.

“Kann man mit Jugendradio Geld verdienen?“ – Mit dieser Frage hätten alte Freunde aus der Branche den ehemaligen Radiomann von der Hitradio Antenne-Gruppe, Kristian Kropp, konfrontiert, als dieser im März 2000 mit bigFM auf Sendung ging. „Meine Antwort war, dass wir Geld verdienen werden, weil die Musik, die wir spielen, in unserer Zielgruppe Mainstream ist“, erläutert Kropp im Gespräch mit musikwoche.de.

So richtet sich bigFM, das erste landesweit für Baden-Württemberg lizenzierte Jugendradio, an die 14- bis 24-Jährigen, an deren Musikgeschmack der Sender sich mit R&B, HipHop, aber auch Nu Rock orientiert. „Es gibt eine Geschmacksgrenze bei den heute 14- bis 24-Jährigen, die wie keine andere Generation vorher durch den amerikanischen HipHop geprägt worden sind. Schon die 26-Jährigen und Älteren hat eher Mainstream, Pop/Rock oder Pop-Dance beeinflusst“, erläutert Kropp, der mit diesem Programm eine technische Reichweite von 3,5 Millionen Hörer erreicht.

Er verweist auf das Ergebnis der letzten Marktanalyse (MA) Radio 2001, wo bigFM aus dem Stand auf 58.000 Hörer in einer Durchschnittsstunde kam und einen Anteil bei den 14- bis 49-Jährigen von knapp 97 Prozent erzielte. „In unserer Zielgruppe ist Musik noch wichtiger geworden, denn sie ist eine Trägerkultur für einen kompletten Lifestyle“, sagt Kropp. Um auf aktuelle Entwicklungen bei den jungen Hörern optimal reagieren zu können, initiierte bigFM eine ausführliche Umfrage, bei der Gruppen von 25 Personen, die regelmäßig im Internet neue Tracks anhören und bewerten sollten.

„Dieses Instrumentarium geht weit über die üblichen Aktionen beim Music Research hinaus. Und wir würden den Lifestyle-Bereich weiter ausbauen“, erklärt der 39 Jahre alte Programmdirektor, der damit ein Kooperationsangebot an die Plattenfirmen verbindet. „Mich haben die Aussagen der Firmen über den geringen Nutzen des Radios für neue Themen immer iritiert. Wir bei bigFM leben von neuer Musik. Deswegen wären gemeinsame Research-Strukturen extrem sinnvoll. Bei einer entsprechenden Vereinbarung würde ich meine Kenntnisse der Industrie sehr gern zur Verfügung stellen, schließlich wollen auch die Plattenfirmen marktrelevantes Material veröffentlichen“, meint Kropp. „Radiosender und die Musikindustrie haben daran ein gemeinsames Interesse, aber die Ignoranz auf beiden Seiten verhindert dies noch.“