Während Warner Music und BMG weiter über einen möglichen Zusammenschluss verhandeln, dringen immer wieder Details über künftige Strukturen eines fusionierten Unternehmens an die Öffentlichkeit. So soll es angeblich beim Ringen um die Firmenhochzeit weniger um das Einsparpotenzial in dreistelliger Millionenhöhe gehen, sondern eher darum, wer künftig wieviel Kontrolle haben wird. Nach Informationen des US-Branchenmagazins „Billboard“ verteilen die Unterhändler offenbar das Fell des Bären bevor dieser überhaupt erlegt ist. Während seit einigen Wochen als gesichert gilt, dass BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz als Chairman/CEO die Bertelsmann’schen Management-Traditionen auch in Zukunft sicher stellen soll, und dass Warner-CEO Roger Ames als President/CEO für das Tagesgeschäft des dann zweitgrößten Majors zuständig sein wird, zeichnen sich inzwischen weitere Einzelheiten ab: So soll Michael Smellie, derzeit COO bei BMG, weiterhin für die Finanz- und Back-Office-Angelegenheiten zuständig sein. Der Markt jenseits von Nordamerika fiele demzufolge unter die Verantwortung von Paul-René Albertini, dem International-Chef von Warner Music. Unklarheit herrscht noch über die Frage, wie die einzelnen Repertoire-Divisionen verschmolzen werden können. In den USA arbeiten die beiden Konzerne mit je drei Units: Bei BMG sind das RCA/J Records (Clive Davis), Arista (Antonio Reid) und Zomba (Barry Weiss); Warner unterteilt in Atlantic (Val Azzoli/Ahmet Ertegun), Elektra (Sylvia Rhone) und Warner Bros. (Tom Whalley). Beobachter gehen davon aus, dass nach einer Fusion maximal vier Divisionen übrig bleiben. Ein anderes Bild ergibt sich international: Warner arbeitet in vielen Märkten mit nur zwei Einheiten (eastwest und wea), während BMG sein Repertoire oft nach Herkunft und Genres in Arbeitsbereiche aufteilt. Aus Verhandlungskreisen verlautete bereits, dass es wohl bis zu zwei Jahre dauern werde, um eine Lösung für das Struktur-Wirrwarr zu erzielen. Davor steht jedoch eine Zustimmung der Wettbewerbshüter; aus Deutschland sei laut „Billboard“ jedoch kein Widerstand zu erwarten: Das Kartellamt in Berlin habe bereits signalisiert, dass es einen Zusammenschluss nicht blockeren werde, solange der fusionierte Marktanteil 30 Prozent nicht überschreitet.
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