Im Vergleich zu ihren letzten beiden Alben, „Appetite For Disctruction“ (2000) und „Vice Versa“ (2001), ist dies eine Kehrtwendung um fast 180 Grad. Dort hatten die beiden noch mit schroffen Elektroniksounds, vertrackten Beats und schrägen Arrangements geglänzt. Damit ist es nun vorbei. Funkstörung präsentieren sich auf „Disconnected“ so zugänglich wie nie. Mit Unterstützung des Münchner Musikers Enik, der als drittes Bandmitglied fungiert, erforschen sie in den 14 Tracks völlig neue Klangregionen, ohne sich jedoch vollkommen von ihrer Vergangenheit zu verabschieden. Die Beschäftigung mit Pop und akustischen Instrumenten hat die musikalische Identität der Band nicht nachhaltig verändert. „Im Zuge unserer Arbeit an diversen Remixen hat sich bei uns in den letzten Jahren eine andere Sensibilität für Melodien und Songstrukturen herausgebildet“, erklärt Michael Fakesch. „Für uns war bereits am Beginn der Aufnahmen klar, dass wir diesmal Lust darauf hatten, richtige Songs zu schreiben.“ Und diesem Vorsatz sind die beiden über weite Strecken des neuen Albums auch treu geblieben, wenngleich natürlich trotzdem hin und wieder ein paar schräge Ideen und Sounds dafür sorgen, dass es nicht zu beschaulich wird. „Die Verwendung von richtigen Instrumenten war für uns eine schöne Herausforderung“, ergänzt Chris de Luca. „Auch wenn es manchmal mühsam war, diese in unseren Sound zu integrieren.“ Mitgeholfen haben diesmal neben Sängerin Sarah Jay (Massive Attack) der Songwriter Lou Rhodes, der aus New York stammende MC Tes, der Hamburger Beatboxer Mark Boombastic, Rob Sonic (Sonicsum) und Trompeter Nils Petter Molvaer. „Viele Kontakte zu den beteiligten Künstlern haben sich spontan auf Tournee ergeben.“ Entsprechend ungezwungen und locker klingen die 14 Tracks auf dem Album auch, mit dem Funkstörung ein neues Kapitel der Bandgeschichte beginnen, ohne sich von ihrer Vergangenheit gänzlich zu lösen. Ihre Musik ist noch immer einzigartig, auch wenn der eine oder andere Song unerwartet eingängig klingt, weil die Dosis an Pop und Melodien erhöht wurde.
Funkstörung: Schöne und schräge Ideen
Michael Fakesch und Chris de Luca alias Funkstörung bleiben unberechenbar. Die beiden Musiker und DJs überraschen auf „Disconnected“ (!K7 Records/rough trade) mit klassischen Songstrukturen.



