Musik

Fünf Jahre Musikvideos vom Berliner Department M.: Surfen an der Grenze

Vor fünf Jahren bezog das bei der Produktionsfirma DoRofür Clips zuständige Department M. seine Berliner Büros. Im Jubiläumsjahr sieht sich DoRo nach wie vor im Aufwind, reagiert aber auch auf die veränderte Marktsituation.

“Eine leider zum Teil ungesunde Selbstausbeutung gehört immer dazu“, sagt Ingo Georgi, Head of Department M. und Department C. sowie Senior Creative Producer, im Gespräch mit musikwoche.de über die Clipbranche. Die Videoproduktionsfirmen haben unter den veränderten Marktdaten besonders zu leiden, da viele Plattenfirmen bei den Videobudgets massive Einsparungen vornehmen. „Die Clip-Budgets schlagen bei der Plattenvermarktung stark ins Gewicht“, räumt Georgi ein. „Und beim größten Posten will man natürlich sparen.“

Daraus ergibt sich für Georgi die Devise: „Musikvideos machen heißt, für das wenigste Geld das meiste herausholen. Das war schon immer so.“ Damit will Georgi wohl kommunizieren, dass sich an der Arbeitsweise des DoRo-Departments auch nach einigen personellen Änderungen nichts geändert habe. So verließ unter anderem der langjährige Departments-Leiter Stephan Pauly die Firma und Georgi rückte auf. „Wir sind immer noch so strukturiert wie eine klassische Filmproduktion. Und unsere Ausrichtung auf die deutschen Charts hat sich nicht verändert. Wir arbeiten hauptsächlich mit den Major-Firmen zusammen.“

Allerdings, so Georgi, habe Department M. auf den Markt reagiert und „aus Kostengründen“ gelegentlich mit wesentlich günstigeren Formaten gearbeitet. „Wir haben zum Beispiel die Clips des Rappers Azad für 3p auf Mini-DV gedreht. Diese digital gedrehten Clips sind jedoch in der Postproduktion sehr aufwändig und auch nicht für ein Taschengeld zu haben – jedoch günstiger als auf 16 Millimeter gedrehte Videos“, erklärt Georgi, der beklagt: „Leider haben die deutschen Firmen keine so hohen Videoetats wie ihre US-Kollegen, wollen aber dennoch, dass ihre Clips den amerikanischen gleichkommen. Und da fängt unsere Kunst an.“

Andererseits weist der Departments-Chef darauf hin, dass „auch ein großes Budget klein sein kann, wenn wir eine Idee umsetzen wollen, die eben mehr kostet. Wir surfen meistens an der Budgetgrenze – ob groß oder klein.“

Das Kreativ-Team von Department M.

Producer: Ingo Georgi (Senior Creative Producer), Ulrike Stockhausen (Junior Creative Producer), Alex Kiening (Producer), Iris Zinke (Assistant Producer), Massuda Kassem (Lineproducer)

Regisseure: Hannes Rossacher & Rudi Dolezal, Daniel Lwowski, Jörn Heitmann, Frank Wilde, Hinrich Pflug, Johannes Grebert, Sharon Berkal, Sandra Heckeroth, Katja Kuhl, Ben Hartenstein, Christopher Häring, Jriko Krah, Markus Engel, Markus Walter, Stephan Klotz

Wandlung zum Besseren

Wien (dis) – „Gute Videos sind selten, aber oft von uns“, meint Rudi Dolezal, einer der beiden Chief Creative Officer bei der international agierenden DoRo Media AG, im Gespräch mit musikwoche.de. Auch die personelle Veränderungen bei DoRo im vergangenen Jahr beurteilt Dolezal als normal. „Fluktuation ist ein Charakteristikum unserer Branche. Aber beim Department M. hat sich die Lage meiner Wahrnehmung nach zum Besseren verändert. Wir machen mehr Videos denn je und unsere Regisseure sind ausgebuchter denn jemals zuvor.“

Auch sein Partner Hannes Rossacher, der andere Chief Creative Officer, sieht „keine strukturellen Änderungen. Wir haben zwar unsere Online-Aktivitäten zurückgefahren, aber das ist eine allgemeine Entwicklung.“ Neben den Clips und TV-Produktionen bilden Longform-Formate ein weiteres Standbein von DoRo. So habe jüngst DoRos zweite Grammy-Nominierung, die Dokumentation über Freddie Mercury, dem Unternehmen „in der US-Branche einen enormen Aufschwung gegeben. Wir haben viele Anfragen für neue Projekte erhalten. Die Nominierung zeigt, dass wir mit der Weltspitze mithalten können“, so Dolezal.