“Auch ein großes Budget kann zu klein sein, wenn man eine Idee umsetzen will, die eben mehr kostet“, erklärt Ingo Georgi, Head of Department M./C. und Senior Creative Producer bei der Berliner Dependance, wo er im vergangenen Jahr die Nachfolge von Stephan Pauly als Department-Leiter antrat. Auch Marktführer DoRo muss sich mit der derzeitigen Entwicklung in der Branche auseinandersetzen, die viele Plattenfirmen zu einem sparsameren Umgang mit Videobudgets führte.
„Musikvideomacher und Musikindustrie orientieren sich beide am Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Leider haben die Plattenfirmen hier nicht so einen großen Etat für Clips wie ihre amerikanischen Kollegen“, urteilt Georgi. Für den Senior Producer, der im Januar 1997 zu den Gründungsmitgliedern des Department M. in Berlin gehörte, ergibt sich daraus das Problem, dass trotz geringer Budgets „die deutschen Firmen alle wollen, dass ihre Clips so aussehen wie die aus den USA. Musikvideos machen heißt, für das wenigste Geld das meiste herauszuholen und dann noch mit einem Minimum an Budget gegen die internationalen Produktionen nicht abzufallen. Unsere Clips laufen ja nun mal neben Madonna und P. Diddy.“
Mit den Anforderungen der Plattenindustrie müsse die Clipbranche kreativ umgehen, schildert Georgi: „In Videobesprechungen mit den Firmen kommt es nicht selten vor, dass der Produktmanager sagt:,Das Video muss aussehen wie der neue Clip von Kid Rock, darf aber nicht mehr als 60.000 Euro kosten.“ Und da fängt unsere Kunst an. Ich wundere mich manchmal selbst, wie wir das immer schaffen.“ Gleichzeitig räumt der DoRo-Mann ein, „zwischendurch aus Kostengründen“ auch auf Mini-DV ganze Clips gedreht zu haben. In diesem digitalen Format produzierte Department M. etwa die Clips für den 3p-Künstler Azad.
Allerdings „passt diese Art Clip natürlich nicht zu jedem Künstler. Acts wie etwa die No Angels sollte man auf Film drehen“, sagt Georgi. Als Konsequenz auf diesen Kostendruck müssen sich die jungen, fest angestellten Regisseure des Departments, die bei dem Unternehmen „eine Art Ausbildungsprogramm durchlaufen“, darauf einstellen, auch für kleinere Budgets zu arbeiten.



