Musik

Finnische Invasion in der Longplay-Hitliste

Ville Valo und seine Kumpels von Him landen auf Platz vier den höchsten Neueinstieg in den MusikWoche Top 100 Longplay. Dort tummeln sich zwei weitere Bands aus dem Land der tausend Seen im oberen Viertel. Auch eine Engländerin mit georgischen Wurzeln und bekennende Kölner sind im Stimmungshoch, während der Charts-Ruhm Magdeburger Schüler zu radikalen Maßnahmen zwingt.

In den MusikWoche Top 100 Longplay besetzen Bon Jovi mit „Have A Nice Day„, Tokio Hotel mit „Schrei“ und James Blunt mit „Back To Bedlam“ die Medaillenränge wie in der Vorwoche. Dahinter führt die finnische Rock-Band Him mit „Dark Light“ auf Rang vier eine Armada von 25 Neueinsteigern an, von denen nicht weniger als fünf in die Top Ten stürmen. Außer Him gelingt dies auch Katie Melua mit „Piece By Piece“ auf Rang fünf, der Bloodhound Gang mit „Hefty Fine“ auf sieben, Ragga- und Dancehall-Star Sean Paul mit „The Trinity“ auf neun und der Hamburger Band Revolverheld mit ihrem gleichnamigen Debütalbum auf zehn. Die Pussycat Dolls feat. Busta Rhymes behaupten sich mit „Don’t Cha“ auf dem Spitzenrang der MusikWoche Top 100 Singles. Hier verbessert sich James Blunt mit „You’re Beautiful“ von sechs auf zwei. Der Titel erreicht damit erstmals einen Podestplatz. Von vier auf drei klettert Juanes mit seinem kürzlichen Nummer-eins-Hit „La Camisa Negra„. Nur ein Neueinsteiger schafft es in die Top 20 – bemerkenswerterweise eine Produktion des von einigen Indizierungen betroffenen HipHop-Labels Aggro Berlin. Deine Lieblingsrapper alias Sido und Harris kommen mit „Steh wieder auf“ auf 14.

In den MusikWoche Top 30 Compilations vollzieht sich wie in jedem Herbst das gleiche Ritual. Wenn es draußen kälter und grauer wird, steigt das Bedürfnis nach schmusigen Songs. So landet auch „KuschelRock 19“ direkt auf Platz eins und verdrängt „The Dome Vol. 35“ vom Charts-Thron. Platz drei behalten die „Bravo Hits 50„.

Him erreichen mit dem aktuellen Erfolg von Dark Light“ auf Rang vier bereits die vierte Notierung in den Top Five der MusikWoche Top 100 Longplay innerhalb der letzten fünf Jahre. Spitzenreiter landete die Band um den charismatischen Sänger Ville Valo anno 2000 mit „Razorblade Romance“ und 2003 mit „Love Metal„. Auf Platz zwei brachte es der Longplayer „Deep Shadows And Brilliant Highlights“ 2001. Eine Nummer eins bei den Singles verbuchten Him zudem 2000 mit „Join Me„. In diesem Jahr reüssierte die Combo bereits mit der DVD „Love Metal Archives Vol. 1“, die in der Longplay-Hitliste einen beachtlichen 15. Rang verzeichnete. Him bilden derzeit die Speerspitze einer starken finnischen Fraktion von Bands mit Hang zu dunkel gefärbten Rock-Klängen in den MusikWoche Top 100 Longplay. Denn hier sind auch Nightwish mit ihrer Best-Of-Kollektion „Highest Hopes – The Best Of Nightwish“ neu auf Rang 17 vertreten. Und auf Position 23 (Vorwoche zwölf) hält sich außerdem die Formation The Rasmus mit „Hide From The Sun“ immer noch im oberen Charts-Viertel auf.

Katie Melua stellt mit Rang fünf für „Piece By Piece“ (Vertrieb: rough trade) das derzeit erfolgreichste Indie-Album und übertrifft die höchste Notierung ihres Debütalbums „Call Off The Search„, das letztes Jahr Rang acht erreichte. Der mit Platin gekürte Dauerbrenner der sanftmütigen Sängerin verbessert sich indes im Sog des neuen Albums in seiner 78. Charts-Woche von Platz 77 auf 70. Außerdem entert Meluas Single über die Fahrraddichte in Peking, „Nine Million Bicycles„, die MusikWoche Top 100 auf Platz 95. In Großbritannien nimmt die in Geor-gien geborene Künstlerin mit „Piece By Piece“ übrigens ohne Federlesens gleich die Spitze der Longplay-Charts ein.

Das deutsche Schlagerhoch der letzten Wochen setzen Künstler aus Köln fort. Wolfgang Petry bekennt sich schon im Titel seiner neuen CD, „Ich bin ene kölsche Jung“ (neu auf 40), zu seiner Geburtsstadt und singt hier komplett in kölscher Mundart, darunter auch Songs aus dem Repertoire der Bläck Fööss. Kölsche wie hochdeutsche Songs wechseln sich ab auf „6:0„, dem neuen Werk der Höhner, die mit dem Charts-Eintritt auf Rang 46 zeigen, dass ihre Stimmungslieder auch außerhalb der Karnevalssaison gefragt sind. Schließlich zählte ihr „Viva Colonia“ gerade wieder zu den beliebtesten Krachern auf dem Münchner Oktoberfest.

Die Kehrseite des Ruhms lernen derzeit die jugendlichen Himmelsstürmer von Tokio Hotel kennen. Wie ihre Plattenfirma Universal meldet, können sich die Magdeburger Schüler ob des Rummels um sie ohne Sicherheitskräfte kaum noch in der Öffentlichkeit bewegen, und sie können auch nicht mehr geregelt am Schulunterricht teilnehmen. Deswegen haben sich der 16-jährige Sänger Bill Kaulitz, sein Zwillingsbruder und Gitarrist Tom und der 18-jährige Bassist Georg Listing entschlossen, sich zunächst für ein Jahr von der Schule freistellen zu lassen und Privatunterricht zu nehmen. Nur der 17-jährige Drummer Gustav Schäfer will weiter seine Schule besuchen.