“Bis ich mich damit beschäftigt habe, nahm ich Country als reaktionäre Musik wahr“, sagt Nils Koppruch, Sänger und Texter von Fink. Zusammen mit seinem Partner Andreas Voss bildet Koppruch den kreativen Kern der norddeutschen Band, die seit 1996 Country- und Folkmusik mit deutschen Texten verbindet. „Die kulturellen Ursprünge sind oft Blues und Polka. Viele Elemente stammen aus Europa.“ Bassist Voss fügt hinzu: „Für uns ist Country keine Unterstützung der amerikanischen Regierung.“ Beide sind eher Kritiker der USA, ihre Haltung machten sie zu Beginn des letztens Irak-Kriegs mit der Single „Bagdad Blues“ deutlich, zusammen mit den Schauspielern Peter Lohmeyer und Ulrich Tukur.
Das aktuelle Album, „Haiku Ambulanz“, zeigt, dass es Fink nicht darum geht, amerikanische Traditionen zu kopieren. Das Duo, verstärkt um erfahrene Musiker wie Trompeter Martin Wenk von der Band Calexico oder den deutschen Singer/Songwriter Lee Buddah, kreiert auf Basis von Country und Folk eigenständige Songs. „Für uns ist es wichtig, Wiederholungen zu verhindern“, so Voss. Was für die neue Platte bedeutet, dass „sie rhythmischer ausfallen sollte, um nicht traditionell zu wirken“, ergänzt Koppruch, der neben seiner Band als bildender Künstler tätig ist. Er vollzieht seine eigene Art des Textens. „Ich höre wenig deutschsprachige Musik. Es gibt zwar einzelne Stücke, die ich gut finde, aber vieles würde ich anders machen. Also schreibe ich die Texte, die ich gern hören würde.“
Ihm ginge es darum, Anregungen zu geben und dem Hörer dennoch maximalen Interpretationsspielraum zu bieten. Seine Themen findet er nicht selten in alltäglichen Situationen wie dem Kreisen von Fliegen um einen Lampenschirm oder dem Fahren in einem Wagen. „Über mich hat man mal geschrieben,,Koppruch ist der Käpt’n Blaubär der deutschen Popmusik, der sein Garn spinnt‘, aber ich bin kein reiner Märchenerzähler. Die Texte haben ein Motiv und entstehen aus dem Bedürfnis, etwas mitzuteilen.“




