Eine britische Studie liefert neue Argumente für Vertreter der These, dass die illegale Nutzung von P2P-Systemen keine negativen Auswirkungen auf Musikverkäufe hat. Im Gegenteil: Laut den Marktforschern geben P2P-Nutzer sogar viereinhalb mal so viel Geld für digitale Musik aus als der Durchschnittskunde. 600 Musikfans mit Computer, Internetzugang und Mobiltelefon fragte The Leading Question und kam dabei zu dem Ergebnis, dass P2P-Nutzer monatlich 5,52 Pfund (7,98 Euro) für Downloads ausgeben. Onlinekunden, die von P2Ps die Finger lassen, geben pro Monat nur 1,27 Pfund (1,84 Euro) für digitale Ware aus.
Diese Ergebnisse seien Beleg dafür, dass „Musikfans, die gegen das Urheberrecht verstoßen, höchst wertvolle Kunden sind“, sagte Paul Brindley, Director von The Leading Question. Im Gegensatz zu dem weit verbreiteten „Mythos“, wonach Filesharer ausschließlich auf der Jagd nach kostenloser Musik seien, zeige die Studie, „dass P2P-Nutzer in Wirklichkeit meist Hardcore-Fans sind, die besonders leicht von Bezahldiensten zu beigeistern wären, wenn diese nur ansprechend genug sind“. Statt Filesharer weiterhin zu verklagen, sollte die Musikbranche daher mehr unternehmen, um sie zu legalen Alternativen zu locken, so Brindley.
Beim britischen Branchenverband BPI will man sich jedoch von solchen Marktforschungsergebnissen nicht von der harten Linie gegen P2P-Nutzer abbringen lassen. BPI-Sprecher Matt Phillips ließ wissen, man sei ja erfreut darüber, dass Filesharer immer öfter Kunden legaler Angebote werden, doch letztlich sei diese Entwicklung eher dem juristischen Kampf der Branche geschuldet. „Unabhängige Marktforscher stimmen darüber überein, dass möglicherweise ein Drittel der Filesharer mehr Geld für Musik ausgibt, doch dafür sinken bei den restlichen zwei Dritteln die Ausgaben“, so Phillips. Ungeachtet dessen sei der Tausch von Songfiles nichts anderes als Ladendiebstahl und daher illegal, selbst wenn er die Musikverkäufe nicht beeinträchtigen würde.


