“Ganz weg waren die Oldie-Festivals nie, und dass sie momentan wieder besonders beliebt sind, liegt mit daran, dass sie Handgemachtes bieten, während die heute produzierte Musik doch ein bisschen arg Retorte ist“, meint Christian Simon, der am 22. Juni in Baden-Baden auf der Rennbahn Iffezheim das „SWR 1 Oldie Open Air“ mit Sweet, Suzi Quatro, Slade, Leo Sayer, Dave Dee Dozy Beaky Mick & Tich sowie der Beatles Revival Band veranstaltet. „Der eigentliche Boom begann 1992/93, als wir mit Thomas Gottschalk ‚Let’s Have A Party“ gemacht haben samt einem Tonträger, der sich über eine Million Mal verkauft hat“, weiß der Hamburger Rainer Haas zu berichten, der sehr viele der Akteure vertritt und sowohl komplette Produktionen verkauft wie auch selbst veranstaltet.
Gerd Kehren, der mit Teddy Music Künstler wie Chris Andrews, Pussycat oder Middle Of The Road vertritt, aber nicht selbst veranstaltet, bestätigt dies weitgehend. Haas ist in den nächsten Wochen gut beschäftigt: So mit dem „Classic Rock Festival“ im hessischen Idstein am 15. Juni mit Joe Cocker, Suzi Quatro und Eric Burdon oder eine Woche später an gleicher Spielstätte mit dem „Pop Remember Festival“ mit den Hollies, Tremeloes und den Rubettes. Auch bei den Akteuren selbst, so sind sich Haas und Simon einig, hat ein Prozess stattgefunden, der zu einer Zweiklassen-Gesellschaft geführt hat.
Die „professionell agierenden Acts“ spielen in der ersten Liga, die anderen tingeln durch Autohäuser, Jahrmärkte und Feuerwehrfeste, meint Haas. Das Publikum, das laut Simon nun auch höhere Ansprüche an Bühnenshow und Drumherum stellt, ist altersmäßig bunt gemischt. „Allein mit den 40- bis 55-Jährigen könnte ich so große Spielstätten nicht füllen“, erklärt Haas und verweist darauf, dass die dort präsentierte Musik in vielen Radiosendern zu hören oder in Musikzeitschriften wie dem Oldie-Magazin „GoodTimes“ gefeatured wird. Auf deutliche regionale Unterschiede weist Kehren hin: Schwerpunktgebiete seien Nord- und Westdeutschland sowie Thüringen. Süddeutschland sei mit Ausnahme von Teilen Baden-Württembergs „nach wie vor Diaspora“ in Sachen Oldie-Festivals.


