Musik

Exklusiv-Interview mit Midem-Chefin Dominique Leguern

Die Musikwirtschaft steckt in der Krise, die in Deutschland wichtigste Branchenmesse, die Popkomm., hat aktuell mit Finanzproblemen zu kämpfen und einige Firmen überdenken ihr Engagement in Cannes. musikwoche.de sprach mit Messechefin Dominique Leguern über die Lage der Midem im Jahr 2003.

musikwoche.de: Wie sieht ihre Perspektive bei all den aktuellen Problemen aus?

Dominique Leguern: Die Midem stellt seit 36 Jahren ihre Bedeutung für die globale Tonträgerbranche dadurch unter Beweis, dass sie Branchenvertreter aus der gesamten Welt zusammenbringt. Gerade in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld spielen die Geschäftsverbindungen, die sich auf diesem Forum ergeben, eine wichtige Rolle, da Menschen und Unternehmen bereits an die Zeit nach diesen schwierigen Herausforderungen denken. In dieser Umbruchszeit gibt es zwei besonders wichtige Punkte, die bei der Midem eine zentrale Rolle spielen: Kommunikation und neue Ideen. Wir organisieren jährlich mehr als zwei Dutzend Konferenzen und Seminare und veranstalten gleichzeitig mehr als 40 Live-Auftritte internationaler Künstler. In Cannes spielt in fünf Tagen all das zusammen, was man sonst nicht in einem ganzen Jahr oder nur mit einem sehr viel höheren Aufwand bewältigen könnte. Es kommen 9.000 Branchenvertreter aus der ganzen Welt, um ihre Pläne zu besprechen, Geschäfte abzuschließen und neue Ideen für eigene künftige Projekte zu formulieren.

mw: Die großen Plattenfirmen sind auf der Midem nicht sehr stark vertreten. Warum ist das Interesse erloschen?

Leguern: Das stimmt so nicht. Die Großen der Branche sind auf eine andere Art und Weise vertreten. Von den Teilnehmern der Midem 2002 arbeiteten 300 für führende Branchenfirmen, trafen sich mit Lizenzpartnern oder führten internationale Besprechungen durch. Das Gleiche gilt auch für die Midem 2003.

mw: Welche inhaltlichen Schwerpunkte bietet die Midem 2003?

Leguern: Wie immer spiegeln die fünf vollgepackten Midem-Tage alle Aspekte einer im stetigen Umbruch befindlichen Branche wider. Am Samstag findet zum vierten Mal die MidemNet statt. Es ist höchste Zeit, über neue Verfahren zum Schutz urheberrechtlich geschützter Werke sowie über Wege, durch die Einführung von Abo-Diensten, mobiler Musik und anderen Alternativen zum herkömmlichen Einzelhandel an potenzielle Kunden zu kommen, nachzudenken. Neben den MidemNet-Keynotern Dave Stewart (AN Group), Hilary Rosen (RIAA), David Fester (Microsoft) und Michael Lambot (PIAS) begrüßen wir ferner IFPI-President Jay Berman, der die Keynote zur Eröffnung der Messe halten wird. Am Dienstag organisieren wir den „German Day“: Die GEMA feiert auf der Midem ihren 100. Geburtstag und dokumentiert dabei ihre Verdienste sowie die Herausforderungen, denen sie vor dem Hintergrund der technologischen Bedrohung der Urheberrechte gegenübersteht. Zudem gibt es eine Diskussionsrunde, bei der Wege aus der Krise erörtert werden sollen. Die hochkarätige Besetzung der Diskussionsrunde lässt einen sehr kontroversen Verlauf erwarten.

mw: Welche Gemeinschaftsstände sind dieses Jahr zu erwarten und wie sieht die Teilnahme aus?

Leguern: Die Teilnahme entspricht dem Vorjahresstand. Bis jetzt sind alle führenden Märkte durch Gemeinschaftsstände vertreten, die aus zahlreichen unabhängigen Firmen und Verbänden in den einzelnen Ländern bestehen. Zum ersten Mal ist auch die Volksrepublik China dabei. Der Gemeinschaftsstand besteht aus sechs chinesischen Firmen. Dadurch erhalten Midem-Teilnehmer eine einmalige Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und sich aus nächster Nähe über diesen riesigen und schnell wachsenden Markt zu informieren.

mw: Wie wird der deutsche Gemeinschaftsstand aufgenommen?

Leguern: Der gehört schon seit Jahren zu den am stärksten frequentierten Treffpunkten auf der Midem. Die Teilnehmer haben sich stets sehr positiv zum Stand geäußert. Wir haben uns auch bemüht, durch die Einladung prominenter Gäste für eine optimale Präsenz zu sorgen. Letztes Jahr wurde der Gemeinschaftsstand beispielsweise von dem norwegischen Kronprinzen Haakon und dem dänischen Prinzen Henrik besucht. Dadurch konnte für den deutschen Stand eine zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt werden. Diesmal stellen wieder 98 Firmen auf dem Gemeinschaftsstand aus. Wir bemühen uns nach Kräften dafür zu sorgen, dass der deutsche Stand ein prominentes Mitglied der Midem-Familie bleibt.

mw: Welche Rolle spielt die Klassik auf der Midem?

Leguern: Eine sehr wichtige. In den letzten Jahren haben wir so hochkarätige Konzerte mit führenden Künstlern veranstaltet, dass wir den Vergleich mit vielen internationalen Festivals nicht scheuen. Wir gehören zu den absoluten Höhepunkten des Klassikkalenders. Unsere Klassik-Preise genießen weltweit ein sehr hohes Ansehen. Klassik ist ein Erfolg und die Midem tut alles, um auf dem weltweiten Markt den Klassikabsatz zu fördern.