Musik

Everlast: Chronist des amerikanischen Traums

Auf dem vierten Soloalbum, „White Trash Beautiful“ (Island Def Jam/UID/Universal) von Eric Shrody alias Everlast erinnert nicht mehr viel an die Zeit bei House Of Pain oder an die Battle Raps des kalifornischen HipHop-Trios, dem Mitte der 90er-Jahre mit“Jump Around“ ein heute noch oft gespielter Hit gelang.

Die Crew zerbrach bekanntlich an Streitigkeiten, Alkohol und Stress mit der Plattenfirma. Zurück blieb Everlast, der sich fortan musikalisch neuen Einflüssen öffnete. Mit „White Trash Beautiful“ liefert er erneut eine beeindruckende Milieustudie der weißen Unterschicht ab. Er singt über das armselige Leben in den Randbezirken der Metropolen, das auch die Kollegen Brooks Buford, Kid Rock und Eminem thematisieren. Eric Shrody, längst Plattenmillionär, erinnert sich noch gut an den ungeliebten Vater, dem er auf dem neuen Album den Eröffnungstitel „Blinded By The Sun“ widmet. Es ist ein Song über Gewalt in der Familie. „Dad trank zuviel und hatte ein Problem, seine Aggression unter Kontrolle zu halten. Es gab da einige Vorfälle.“ Mehr sagt er nicht.

Vielleicht hat sich der 36-Jährige auch deshalb das chinesische Wort für Disziplin in den Hals tätowieren lassen. „Es erinnert mich jeden Tag daran, dass ich auf mich aufpasse“, sagt er. Sein Leben und die Liebe waren nicht immer gut zu ihm. Alkohol und Lifestyle führten 1998 zum Herzinfarkt. Seitdem genießt Shrody jeden Tag, als wäre es sein letzter – verständlich daher auch die Reflexion der eigenen Vita. War sein Album „Whitey Ford Sings The Blues“ noch düster und melancholisch gefärbt, klingt „White Trash Beautiful“ nun ein wenig hoffnungsvoller. Das Tempo ist beschaulich, das akustische Gitarrenspiel locker, lediglich programmierte Beats erinnern an die musikalischen Anfänge.

Everlast geht zurück zur traditionellen weißen Musik – zu Bluegrass, Americana und Country. Nicht umsonst bezieht er sich mit der Textzeile „I’m So Lonesome, I Could Die“ auf Hank Williams. „Ich liebe ihn, ebenso wie Patsy Cline, Johnny Cash und Willie Nelson“, erklärt er. „Was heute als Country verkauft wird, ist erbärmlich.“ Everlast schreibt sich den Ballast vom Herzen, lässt in Songs wie „God Wanna“ alles raus, gesteht Drogen, Gewalt und all das, wofür ihn seine Feinde früher fürchteten. Und er gewährt Einblicke in den weichen Kern. „This Kind Of Lonely“ und „Lonely Road“ sind Protokolle der Einsamkeit, „wenn ich nachts im Bett liege und nicht schlafen kann“. Seit viereinhalb Jahren kriselt die Beziehung zu Freundin Christina. Aber unglücklich sein ist ja bekanntlich der zuverlässigste Antrieb für großartige Popsongs.