Im Halbfinale des Eurovision Song Contest sicherten sich osteuropäische Länder neun der zehn noch zu vergebenden Startplätze für das Finale am 12. Mai in Helsinki. Nach dem Ausscheiden des favorisierten Schweizer Teilnehmers DJ BoBo sorgt das Ergebnis der Publikumsabstimmung vor allem bei den Eidgenossen für Verstimmung.
„Es ist fast inakzeptabel, dass so etwas überhaupt passieren kann“, empörte sich der Vizepräsident des Fanclubs Eurovision Club Switzerland, Peter Baumann. DJ BoBo alias René Baumann, der mit „Vampires Are Alive“ angetreten war, hatte zuvor bei vielen Beobachtern als sicherer Endrundenkandidat gegolten. Eine Expertenrunde der BBC hatte den Aargauer Musiker sogar bereits hinter Roger Cicero auf dem zweiten Platz im Finale gesehen.
Von 28 beim Halbfinale angetretenen Nationen hatte sich kein westeuropäisches Land für die Endrund qualifizieren können. Einzig die Türkei konnte sich gegen die osteuropäische Allianz durchsetzen. Die Teilnehmer aus Ländern wie Österreich, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Portugal oder Israel schieden dagegen aus. Bei der Anzahl der Länder aus Osteuropa sei klar, dass für ein westeuropäisches Land kein Punkt mehr abfalle, so Baumann gegenüber „ddp“.
Das Problem sei, dass sich die osteuropäischen Länder gegenseitig die Punkte geben, beklagte sich Toni Wachter, Redaktionsleiter des Schweizer Fernsehens, gegenüber Radio DRS. „Wir werden uns noch überlegen müssen, was wichtig ist und wie es weitergehen soll“. Trotz alledem sei der Wettbewerb aber immer noch sehr erfolgreich.
Der promovierte Grand-Prix-Experte Irving Wolther zieht dagegen andere Erklärungen für das Abstimmungsergebnis heran. Das Ergebnis zeige, „dass die Osteuropäer weitaus kreativer und engagierter an den Wettbewerb herangehen als Westeuropa“. Die Zeit der Beiträge, die vor 20 Jahren Erfolg versprachen, sei vorbei, so Wolther gegenüber „ddp“. So seien zum Beispiel die Beiträge aus Spanien und Großbritannien „nicht sehr einfallsreich und inspiriert“.
Auch der Chef der deutschen Delegation, Manfred Witt, will die Vorwürfe so nicht unterschreiben. Aber wenn Kandidaten aus Westeuropa auch mit guten Titeln keine Chance mehr im Halbfinale hätten, bestünde zumindest die Gefahr, dass das Interesse dieser Länder abnehme. „Man könnte darüber nachdenken, ob es richtig ist, dass alle teilnehmenden Länder sowohl im Semifinale als auch im Finale abstimmen dürfen“, schlägt Witt vor. Das dürfte nicht der einzige Vorschlag bleiben, der in den nächsten Tagen die Runde macht.



