Dass der Diebstahl von geistigem Eigentum (und vor allem die Aufforderung dazu) kriminell ist, darüber lässt sich eigentlich gar nicht streiten. Insofern ist jeder Einsatz zu dessen Verhinderung für unsere Industrie substantiell wichtig. Es gilt daher, auch den politischen Entscheidungsträgern die Brisanz dieser Problematik deutlich zu machen, somit: Danke Thomas!
Unisono möchte ich als Musiker jedoch nicht in den normativen Minimalkonsenz der Industrie einstimmen, wonach ausschließlich illegales Kopieren von CDs und Downloading von Musik-Files zur gegenwärtigen Situation führen. Hier handelt es sich vielmehr um eine multikausale Problematik.
Zum Beispiel wurde es seit Jahren seitens der Musikwirtschaft versäumt, eine geschlossene Auswertungskette – ähnlich wie in der Filmindustrie – aufzubauen. Auch die Zwangsvisualisierung von Musik als Ersatz für kreatives Marketing entzog den Tonstudios erhebliche Mittel. Gerade der Anfang der Wertschöpfungskette, also die Musiker und die Tonstudios müssen seit Jahren mitunter durch die Demokratisierung der Produktionsmittel durch radikal sinkende Produktionsbudgets auskommen. Das wirkt sich natürlich extrem negativ auf das Ergebnis aus.
Wenn DVD-Audio oder Super-Audio die Lösung sein sollte, dann braucht die Industrie erst recht leistungsfähige Top-Studios, die angloamerikanisches Niveau haben. Es gibt aber auch substantiell inhaltliche musikalische Probleme. Hierzu nur ein Beispiel: Der Zerfall der Album-Kultur, Getreu dem Motto „ein Album-Track ist nichts anderes als ein missratener Single-Versuch“, nahm die inhaltliche Wertigkeit des Kunstwerkes Album über die Jahre rapide ab. Der Repeated-Listening-Effekt, den legendäre Alben bisweilen über Jahrzehnte als wichtigen Katalogbestand erhalten, entfällt so bei den meisten einheimischen Produktionen. Das geht mit einer niedrigen Halbwertzeit der Künstler einher und der intensivsten Vertonung der sozialpornographischen Entwicklung, was natürlich die Schwelle zum illegalen Kopieren und Downloaden erst recht niedrig erscheinen lässt.
Nur inhaltlich – also musikalisch-künstlerisch und aufnahmetechnologisch – erstklassige Produkte werden die Kataloge der Zukunft bilden können und müssen naturgemäß wieder dem angloamerikanischen Standard entsprechend aufgenommen werden.
Daher sind aus aufnahmetechnologischer Sicht leider bei vielen nationalen Produkten qualitative Rückschritte zu beklagen – dabei hatte diese Republik noch vor Jahren eine Weltklasse-Studiolandschaft, die zumindest technologisch dauerhaft in der Lage war, Gleichwertiges wie angloamerikanischen Studios zu liefern. Nicht umsonst haben in Deutschland reihenweise Superstars wie Queen, Rolling Stones, Deep Purple oder Elton John ihre Alben aufgenommen. Durch eine vordergründig kostenorientierte Allianz zwischen den BWL- und Jugend-forscht-Fraktionen in den Record Companies wurde die Top-End-Studioszene in den vergangenen Jahren fast völlig vernichtet.
Wenn aber heute – als unmittelbare Folge – die meisten Produktionen in Preproduction- oder Demostudios entstehen, wundert es nicht, dass diese Musik von den Radiostationen ungern gespielt wird. Die qualitative Diskrepanz zu angloamerikanischer radiotauglicher Musik – die nach wie vor in Großstudios hergestellt wird – ist schlicht und einfach zu groß. Da wird dann allerdings eher der Ruf nach Quotenregelungen laut, anstatt die Produktionen zumindest technisch wieder an internationales Niveau heranzuführen.
Um bei den Statistiken zu bleiben: In England steigen ja die Tonträgerverkäufe, oder…?



