Musik

Epic: Direkter Draht in die USA

Bei Epic ist das Segment HipHop ein Thema mit zwei Seiten: International wird die Firma vom US-Label Loud Records regelmäßig mit Top-Themen beliefert, national befindet sich die HipHop-Abteilung indes erst im Aufbau.

Das internationale HipHop-Department des deutschen Arms von Epic stützt sich im Wesentlichen auf das Label Loud. „Wir veröffentlichen 90 Prozent der Themen, die Loud uns vorschlägt“, sagt Produktmanagerin Sabine Kamisli und schränkt ein: „Die Firma bringt jedoch keine Massen von Platten auf den Markt.“

Zu den größten Stars der New Yorker Company zählen der Wu-Tang Clan, Xzibit, Funkmaster Flex und Big Punisher. Loud und Epic kooperieren seit August 2000, kurz darauf erschien bereits die erste Veröffentlichung von Mobb Deep.

Zufrieden mit den Veröffentlichungen

„Obwohl wir wenig für das Album tun konnten, ist es sofort in die Charts eingestiegen“, zeigt sich Kamisli zufrieden. An Neuveröffentlichungen für 2001 kündigt sie Alben von The Alkoholiks, Crazy Bone, Gangster Boo und dem Wu-Tang Clan an. Momentan betreut die HipHop-Fachfrau noch die Formation M.O.P., deren Single „Ante Up“ gerade die deutschen Charts hinaufklettert (aktuell Platz 31).

Neben Loud arbeitet der US-Major auch mit dem Label Razor Sharp. „Ghostface Killah und Capadonna vom Wu-Tang Clan haben einen direkten Deal mit Epic America über Razor Sharp“, berichtet die Produktmanagerin. Gefragt nach den kommenden Entwicklungen auf dem HipHop-Markt antwortet Kamisli: „Da die Nachfrage in den USA wesentlich größer ist, gibt es weniger Probleme, neue Richtungen durchzusetzen. Derzeit mischen sich orientalische Einflüsse in die schwarze Musik. Überhaupt sind viele Künstler wie RZA oder Xzibit zum Beispiel völlig offen für andere Stile. Daneben gibt es den Trend, dass Künstler wie Missy Elliott ihren Fans riesige Glamour-Shows bieten wollen. Als Gegenbewegung sieht man eine Rückkehr zu den Wurzeln, viele arbeiten songorientiert mit Funk, Soul und Reggae, so wie der Wu-Tang Clan es auf dem letzten Album „The W“ getan hat.“

Überhaupt sei „The W“ ein Wendepunkt für die Firma gewesen: „Vorher haben die Medien nur kommerziellen HipHop gespielt. Nachher wurde es viel einfacher für uns. Dann liefen plötzlich auch Method Man und Ol‘ Dirty Bastard.“ Generell stünden dem HipHop alle Medien-Türen offen, freut sich Kamisli: „In Presse, Radio und Fernsehen hat diese Musik ihren festen Platz. MTV und Viva Zwei stehen sehr drauf.“

Street-Promotion und Internet wichtig

Auch das Internet wird ins Marketing mit einbezogen. So unterhält Epic als Anlaufstelle die Seite www.loudrecords.de. Sie wird ständig aktualisiert und bietet Gelegenheiten zu Downloads und Streaming.

Ein weiteres wichtiges Marketing-Instrument ist die Street-Promotion. „Anlässlich der Tour von Xzibit haben wir bundesweit Sweatshirts, T-Shirts, Sticker, Tapes und CDs in Trendläden und bei HipHop-Konzerten verteilt. Bei uns in Deutschland ist das noch nicht so populär: Umso erfreuter sind die Leute, etwas umsonst zu bekommen.“

Deutlicher Zwang zur Selektion

Für den Bereich HipHop national bei Epic ist Markus Mein zuständig. Er erklärt die Firmenstrategie: „Auf diesem Gebiet gibt es viele Mitbewerber, deswegen selektieren wir stark. Es ist ein sehr großer Markt, auf den sich eine Flut von Veröffentlichungen ergießt. Zur Zeit haben wir zwei Acts: Sekou Ambassador aus Stuttgart und Da Force aus Berlin.“

Vom Label 3p seien in naher Zukunft keine Neuerscheinungen auf Epic geplant. Nach Ansicht von Mein, der zuvor vier Jahre bei Four Music arbeitete, war Epic in der Vergangenheit eher auf Rock und Alternative ausgerichtet. „Deswegen haben es spezielle Rap-Labels auch einfacher als wir, Acts zu bekommen. Wir müssen uns erst einen Namen erarbeiten. Natürlich wollen HipHopper auf ihrer Platte gerne ein eingeführtes Label stehen haben.“ Aus diesem Grund wird die Entwicklung bei den Berlinern sehr „gemütlich und durchdacht“ ablaufen: „Wir reden mit zwei weiteren Künstlern, deren Produkte jedoch frühestens im nächsten Jahr auf den Markt kommen werden.‘